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Ist Deine Beziehung ein fauler Kompromiss?

Hinweis: Ich spreche in diesem Artikel Frauen an, weil es ganz einfach leichter zu formulieren ist, als immer auf einen Mann und eine Frau einzugehen. Falls Du ein Mann bist und eine Partnerin hast, die nicht richtig zu Dir steht, dann könnte dieser Artikel natürlich auch interessant für Dich sein.

 

Gehörst Du zu den Frauen, die einen Partner in ihrem Leben haben, der nicht richtig zu ihnen steht? Dies könnte sich zum Beispiel folgendermaßen ausdrücken:

  • Du bist immer ein bisschen in der Warteposition. (Du wartest z.B. darauf, dass er sich meldet. Auf Deine SMS antwortet er z.B. so gut wie nie zeitnah.)
  • Er bestimmt überwiegend, wann ihr euch trefft. (Teilweise sagt er auch gerne mal ein Treffen kurzfristig ab.)
  • Du bist vielleicht sogar nur die Geliebte. (Momentan kann er seine Freundin oder Frau noch nicht verlassen.)
  • Ihr seht euch nicht so häufig, wie Du es Dir wünschst.
  • Er ist unzuverlässig. (Wenn er Dir verspricht, dass er Dich anruft, dann kommt auch ganz gerne etwas Wichtigeres dazwischen.)
  • Du bist nicht Teil seiner Familie. (Er hat Dich nicht seinen Eltern oder Geschwistern vorgestellt.)
  • Es kommt Dir so vor, als hätte er immer irgendetwas zu verbergen. Er erzählt nicht viel von sich oder seinem Leben. Er ist der Meinung, dass Dich vieles nichts angeht

Und, obwohl Du in dieser Situation steckst, glaubst Du daran, dass Dich dieser Mann liebt, aber in seiner Situation (momentan) einfach nicht mehr geben kann. Du hast Verständnis. Manchmal hast Du auch Zweifel und Bedenken, dass er es nicht ernst mit Dir meint. Doch wenn er dann tatsächlich einmal eine SMS zeitnah beantwortet, oder außer der Reihe etwas Liebes von ihm kommt, dann schlägt Dein Herz schneller und Du weißt, dass er Dich liebt. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann er denn endlich ganz zu Dir steht. Die wenige Zeit, die ihr miteinander habt ist wundervoll und leidenschaftlich und es lohnt sich auf mehr zu warten. Deine Gedanken kreisen so gut wie die ganze Zeit um ihn. Er ist irgendwie immer Thema. Du sprichst z.B. auch sehr gerne mit Deinen Freundinnen über ihn. 

 

Du bist in Deiner Rolle in dieser „Beziehung“ vom Typ her eher unterwürfig, anpassend, entgegenkommend, verständnisvoll und lieb. Manchmal lässt Du auch ein bisschen oder sogar Deine ganze Wut raus, wenn er Dich zum Beispiel mal wieder versetzt hat. Doch kurze Zeit später tut es Dir schon wieder leid. Dann entschuldigst Du Dich für Deinen Wutausbruch – Hauptsache es ist alles wieder gut.

  

Zeit, Deine Situation einmal gründlich in Frage zu stellen, oder?

 

Mit dem wie Du bist – unterwürfig, entgegenkommend, immer verständnisvoll, lieb – erreichst Du bei dem entsprechenden Mann genau das, was Du zu vermeiden versuchst: Absagen, Aufschieben, Unzuverlässigkeit, die Wartepostion, nicht richtig geliebt zu werden. Denn mit Dir kann man es ja machen. Es gibt keine Konsequenzen für ihn. Du passt sozusagen ideal zu dem Mann, mit dem Du so unglücklich bist. Nicht falsch verstehen: verständnisvoll zu sein, entgegenkommend zu sein, lieb zu sein sind wundervolle Eigenschaften. Und zwar dann, wenn sie nicht zu Deinem Nachteil werden und wenn sie nicht so weit gehen, dass Du Dich damit selbst aufgibst. Wenn Du Dich in der Situation wohl fühlst, alles wundervoll! Mach' weiter so. Wenn Du Dich schlecht fühlst, dann gucke genauer hin.

 

Am Anfang des Artikel habe ich Dich gefragt, ob Du zu den Menschen gehörst, die einen Partner haben, der nicht richtig zu ihnen steht. Doch in Wahrheit stehst DU nicht richtig zu Dir und Deinen Bedürfnissen. Ich war selbst einmal die Freundin eines Mannes, der nicht wirklich zu mir stand und habe viele Jahre in diesem faulen Kompromiss gelebt. Erst als mir klar wurde, dass ich in dieser Beziehung die ganze Zeit darauf wartete, dass sich mein Partner meinen Bedürfnissen anpassen solle, wurde mir bewusst, dass ich damit kein bisschen besser wäre als er. Denn dann würden sich die Rollen einfach nur vertauschen. Dann würde ich das von ihm verlangen, was mich die ganze Zeit unzufrieden macht. Nämlich nicht authentisch zu sein.

 

Dein Verhalten verursacht genau das, was das Drama erzeugt. Das Anpassen, das Entgegenkommen, das Warten, das Zurücknehmen, das Verzichten entfernt Dich von Deinen eigenen Bedürfnissen. Deine Gefühle sind der beste Beweis dafür, denn Du fühlst Dich nicht wirklich wohl in dieser Konstellation. Du bist unzufrieden, unerfüllt, traurig und vielleicht sogar wütend. Um Dich aus dieser Situation zu befreien, liegt es also an Dir, Dich selbst zu verändern. Dein Partner lebt nach seinen Bedürfnissen. Er passt sich nicht an, steckt nicht zurück, sondern tut das, was ihm gut tut. Er guckt ganz genau und kompromisslos auf seine eigenen Bedürfnisse.

 

Werde Dir klar darüber, was Du überhaupt in einer Beziehung möchtest und was Du nicht mehr möchtest. Lerne, zu Dir, Deinen Werten und Wünschen zu stehen und teile sie Deinem Partner mit, ohne Vorwürfe zu machen. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist für eine erfüllte Partnerschaft genauso wichtig, wie es nötig ist, auch manchmal klar seine Grenzen zu setzen. 

 

Hier ein paar Fragen zur Selbstreflexion

  • Was sind Deine Bedürfnisse in einer Partnerschaft?
  • Was bedeutet für Dich eine erfüllte Partnerschaft?

  • Welche Probleme gibt es in Deiner Beziehung?

  • Wie ist die Kommunikation in Deiner Beziehung?

  • Wie behandelt Dein Partner Dich?

  • Wie behandelst Du Deinen Partner?

  • Herrscht ein ausgeglichenes Geben und Nehmen?

  • Was möchtest Du Dir gefallen lassen? Was möchtest Du nicht mehr?

Wenn Deine Bedürfnisse und die Deines Partners zu sehr auseinander gehen, kein gegenseitiges Verständnis herrscht, wenn es keinen gemeinsamen Weg in eurer Beziehung gibt, wenn keine Kompromisse eingegangen werden, wenn Grenzen nicht akzeptiert werden, wenn ein Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen herrscht, wenn Dein Partner kein Interesse an einer offenen und ehrlichen Kommunikation mit Dir hat, dann solltest Du für Dich erkennen, was Dich an diesem Menschen hält. 

  • Was genau gibt Dir die Beziehung?
  • Warum bist Du mit ihm zusammen? 
  • Wo soll eure gemeinsame Reise hin gehen?
  • Was sind Deine Ängste bezüglich der Beziehung? 

  • Was brauchst Du, um für Dich einzustehen?

Ein Beenden dieser Verbindung kommt für Dich nicht in Frage, weil Du es zum Beispiel schon einmal versucht hast, in ein tiefes Loch gefallen bist und das nicht noch einmal erleben möchtest. Oder weil Du denkst, nicht ohne Ihn leben zu können. Du hast Angst, dass dann nichts mehr da ist. Für Dich gilt, besser ein bisschen Zuneigung, als gar keine. Besser ein paar liebevolle Momente, als gar keine. Wie oft wirst Du unschön, abwertend oder respektlos behandelt? Besser zehn mal schlecht behandelt zu werden und einen Liebesrausch zu erleben, als Leere und Nichts. Was genau ängstigt Dich denn so sehr an dem Nichts? Ist erst einmal Nichts, wirklich so schlimm? Nichts, kann auch zurück auf Null bedeuten. Ein Neustart. Eine Chance. 

 

Hoffst Du vielleicht sogar (unbewusst), dass er die Beziehung beendet, weil Du zu schwach dafür bist? Damit übergibst Du ihm die volle Verantwortung für Dich. Was macht Dir Angst, selbst die Verantwortung zu übernehmen? Hast Du Angst vor einer falschen Entscheidung? Hast Du Angst, dass dann alles noch schlimmer ist? Beschissen ist immer noch besser als Nichts? Wird es nach einer Trennung wirklich (langfristig) schlimmer? Hast Du Angst davor alleine und einsam zu bleiben? Mit Deiner Angst erschaffst Du Dir genau das, was Dich frustriert. Du steckst in einer Beziehung fest, die Dich nicht erfüllt. Glaubst Du ein Mann, der keine Kompromisse eingehen kann, mit dem es keinen gemeinsamen Weg gibt, ist mit Dir zusammen, weil er Dich so sehr liebt? Was auch immer dieser Mann für Beweggründe hat. Liebe ist es nicht. Klar, er findest Dich attraktiv, schön und anziehend, er mag Dich und genießt die Zeit mit Dir. Aber wahrhaft lieben tut er Dich nicht, oder zu wenig, um sich voll für Dich zu entscheiden und an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten. Löse Dich von der Illusion, dass er nicht anders kann oder sei damit zufrieden, dass Du ihm einfach nicht so wichtig bist. Lebe weiter in dieser Verbindung. Sei unglücklich, sei immer wieder enttäuscht, sei frustriert und warte. Aber sei Dir bewusst, dass Du mit dem Verharren in dieser Beziehung, wertvolle Lebenszeit verlierst, in der Du vielleicht glücklich sein könntest. Deine Lebenszeit ist begrenzt. Und Du entscheidest selbst, wie Du diese Zeit verbringen möchtest.

 

Immer wieder kurzfristige Befriedigungen oder die Möglichkeit, einen Partner zu finden, der wirklich zu Dir steht – was möchtest Du? 

Dass Deine Bedürfnisse nur kurzfristig befriedigt werden, merkst Du an den kurzen Glücksmomenten in Deiner Beziehung. Dann, wenn Du Dich gut fühlst, lebst Du im Einklang mit Deinen Bedürfnissen. Doch leider ist dies meist nur von kurzer Dauer. Ziemlich schnell befindest Du Dich wieder in der Warteposition oder bist enttäuscht, dass Du in der Beziehung mit Deinem Partner nicht das erleben kannst, was Du Dir wünschst. Dein Ego wird sich zuerst einmal immer für die kurzfristige Befriedigung entschieden. Denn Deinem Ego ist es egal, ob Du langfristig unglücklich bist. Aber Du bist viel mehr als Dein Ego! Du bist viel mehr als Deine Ängste. Du bist ein Teil des göttlichen Ganzen! 

 

Möchtest Du wirklich Deine Göttlichkeit für einen Mann opfern, der Dich immer nur auf Sparflamme hält und der Dir nicht das geben kann, was Du Dir in einer Partnerschaft wünschst? 

 

Im Nichts (vor dem Du Dich fürchtest) kannst Du Heilung erfahren. Du bekommst die Chance, Dich wirklich mit Dir auseinanderzusetzen. Vielleicht wird es erst einmal dunkel. Aber nur in der Dunkelheit kann man das Licht finden. Ohne Dunkelheit gibt es kein Licht. Ohne Trauer gibt es keine Freude. Ist es nicht schöner die Liebe in Dir selbst zu entdecken, als Deine Energie an einen Mann zu verschwenden, der vielleicht die Liebe in sich selbst nie entdecken wird? 

  • Was könnte Dich unterstützen, um für Dich einzustehen?
  • Stelle Dir einmal vor, Du könntest diese Beziehung ganz leicht beenden. Was hätte das ermöglicht? Was hätte es leicht gemacht? Was wärst Du für ein Mensch?

  • Was kannst Du tun, um mehr Liebe in Dir zu erzeugen? Ganz unabhängig von einem anderen Menschen.

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest.

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

Hier geht es zum Artikel: Definiere Deine Werte

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ilona (Samstag, 16 Februar 2019 10:38)

    Liebe Andrea, das ist ein ehrlicher und trotzdem liebevoller Artikel über all die Liebessüchtigen Frauen die es gibt. Ich gehöre auch dazu... Für eine Coabhängige gibt es natürlich die Möglichkeit des kalten Entzugs oder erstmal zu schauen wie es mir ohne die Droge Mann geht. Ich werde mir diesen inspirierenden Artikel sicher noch öfters durchlesen! Danke dafür! Alles Liebe, Ilona

  • #2

    Andrea Hein (Donnerstag, 21 Februar 2019 21:17)

    Liebe Ilona,
    viele Dank für Dein Feedback. Darüber freue ich mich sehr! Bei mir war es damals tatsächlich wie ein kalter Entzug mit allen Symptomen, die dazu gehören. Doch weil ich durch den Schmerz durchgegangen bin, konnte ich mein Beziehungsmuster letzten Endes auflösen. In der nächsten Beziehung war alles anders. Hier habe ich ganz genau auf meine Bedürfnisse geachtet und diese auch immer wieder klar kommuniziert. Offenheit, Ehrlichkeit, gewaltfreie Kommunikation und ganz viel Selbstfürsorge haben viel dazu beigetragen, dass es bis heute funktioniert. � Dafür bin ich tief dankbar.
    Herzliche Grüße, Andrea