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Beziehungstipps Teil II

Dieser Artikel ist die Fortsetzung des Artikels Beziehungstipps Teil I.

 

Zwei gemeinsame Wege

Akzeptiere, dass eine Beziehung nicht nur aus einem gemeinsamen Weg besteht. Jeder Beziehungspartner hat auch noch seinen eigenen Weg und sollte diesen auch gehen dürfen. Ihr geht jeweils euren eigenen Weg, dann trefft ihr euch wieder und geht ein Stück gemeinsam, dann geht jeder wieder ein Stück alleine. Das wechselt sich ständig ab und das ist auch gut so. Findet Kompromisse. Sich selbst für eine Beziehung aufzugeben ist nicht akzeptabel.

  

Gerade Menschen mit einer Borderline-Störung machen sich leicht von ihrer Partnerin, ihrem Partner abhängig und leben mit ihren Gedanken das Leben des Partners mit und nicht ihr eigenes, weil sie in sich selbst keinen Halt finden. Häufig kommt es auch vor, dass die Partnerin ihren Partner über die Maßen idealisiert. Andersherum natürlich genauso. Die Partnerin wird in den Himmel gehoben, und zwar genauso lange, bis sie etwas macht, was nicht seinem Idealbild entspricht. Dann landet sie genauso schnell wieder in der Hölle. Wenn du eine harmonische Beziehung führen möchtest, dann solltest du dich von deinen idealistischen Vorstellungen lösen und anfangen an deiner Stabilität zu arbeiten. Es gibt Menschen, die dir dabei helfen. Ich bin unendlich froh, diesen Weg gegangen zu sein. Früher musste es immer die absolute „Seelenverschmelzung“ sein. Doch heute weiß ich, dass es seinen Grund hat, warum wir alleine auf diesen Planeten kommen und auch alleine wieder gehen, und warum es eben zwei Seelen und zwei Körper gibt. Beziehung ist Arbeit, Verständnis, Wachstum und natürlich auch Liebe. Aber das geschieht eben nicht von ganz alleine. Man muss viel dafür tun.

  

Dein Partner ist dein Spiegel.

Hast du dich schon einmal gefragt, warum du eigentlich immer den „selben Typ“ als Partner anziehst? Wir projektieren das, was wir empfinden, auf den anderen und machen ihn dafür verantwortlich. Wenn dich etwas an deinem Partner total nervt, dann frage dich, was das mit dir selbst zu tun haben könnte. Schaue dir gerade die Themen an, die dir ganz besonders nicht passen, für die du deinen Partner besonders ablehnst. Dann überlege, was das mit dir zu tun haben könnte. Ist früher vielleicht irgendetwas passiert, was dem gleich kommt? Vielleicht hältst du es nicht aus, wenn dein Partner etwas zu laut wird, weil deine Eltern früher laut waren und dich das damals schon gestört hat. Gerade die Dinge, die dich sehr beschäftigen und mit denen du immer wieder konfrontiert wirst, haben in der Regel immer etwas mit dir selbst zu tun.

 

Beziehung ist für Wachstum da. Beziehung ist nicht dafür da, dass deine Partnerin, dein Partner dich glücklich machen muss, oder du ihn oder sie glücklich machen musst. In Beziehung sein, heißt, auf Augenhöhe zu sein, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam zu wachsen und nicht gegeneinander zu arbeiten. Wenn man sich voller Vertrauen, verbindlich und verlässlich in eine Beziehung einlässt, dann stehen die Chancen gut, gemeinsam glücklich zu sein.

  

Beziehung engt nicht ein, Beziehung macht frei.

  

Du hast selbst die Verantwortung etwas zu verändern. Indem du dich veränderst, verändert sich auch deine Beziehung. Dafür brauchst du nicht einmal deinen Partner. Stelle dir Fragen wie: Wo könnte ich neue Impulse geben? Wie könnte ich meinen Partner mit neuen Augen sehen? Akzeptiere deinen Partner in seiner Andersartigkeit.

  

Alles was in der Beziehung passiert, hat immer mit beiden Partnern zu tun. Sogar wenn es um Betrug geht. Betrug ist verletzend und absolut nicht akzeptabel. Doch was tun, wenn es passiert? Viele Menschen werden regelrecht traumatisiert, wenn sie betrogen wurden und tun sich schwer, neues Vertrauen aufzubauen. Auch in späteren Beziehungen, spielt der Betrug unterschwellig oft immer mit, und der Betrogene kann sich auf eine neue Beziehung kaum noch zu hundert Prozent einlassen. Wenn du also schon einmal betrogen worden bist, dann stelle dir auch hier die Frage: „Was hat das mit dir zu tun?“ Vielleicht hattest du dich selbst schon innerlich von dieser Beziehung zurückgezogen? Vielleicht hast du selbst ein Auge auf jemand anderen geworfen? Vielleicht hast du deinen Partner schon immer verdächtigt und ausspioniert, obwohl noch gar nichts gewesen ist, und der Betrug war dann so etwas wie eine Bestätigung: „Ich habe es ja schon immer gewusst!“ Sei hier ganz ehrlich mit dir selbst.

 

Verlustangst

Gerade Verlustangst, kann zu großen Problemen führen, wenn das Verständnis dafür fehlt. Hier ist es wieder ganz wichtig, mit offenen Karten zu spielen. Wenn du große Verlustängste hat, dann teile dies deiner Partnerin, deinem Partner klar mit. Denn nur wenn sie oder er Bescheid weiß, dann kann sie oder er hier besonders auf dich Rücksicht nehmen. Wenn du weißt, dass dein Partner große Verlustangst hat, dann überlege dir, wie du ihm die Angst nehmen kannst. Laufe bei einem Streit zum Beispiel nicht einfach davon. Wenn du Zeit für dich willst, dann sage nicht einfach nur: „Ich gehe jetzt, weil ich nachdenken muss.“ Dieser Satz könnte die große Verlustangst des anderen noch unterstützen. Gerade Menschen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung können damit deuten, dass der Partner sie nicht mehr liebt und dass er sie verlassen möchte. Sage statt dessen lieber: „Ich brauche jetzt einfach ein bisschen Zeit für mich. Mach dir keine Sorgen, ich komme um xx Uhr wieder nach Hause, oder rufe dich um xx Uhr an.“ Wenn dein Partner große Verlustängste hat, dann solltest du außerdem ein Telefonat nicht einfach durch Auflegen beenden und dann nicht mehr erreichbar sein. Solche Dinge reichen aus, um beim Partner Panikattacken zu verursachen. Verabschiede dich anständig und sage, wann du wieder erreichbar bist, oder wann du dich wieder meldest. Sei zuverlässig. Natürlich sind immer beide Partner gefordert. Es kann nicht sein, dass einer sich Mühe gibt, und der andere nicht. Jeder von beiden, muss im gewissen Maße zurückstecken und auf den anderen zugehen. Das ist Beziehung. Man spielt sich im Laufe der Zeit, in der man zusammen ist, ja auch aufeinander ein und wächst zusammen. Ein liebevolles Miteinander sollte an erster Stelle stehen. Und zwar an guten wie an schlechten Tagen.

  

Bei jedem Streit geht es immer um Recht haben.

Für eine harmonische und glückliche Beziehung, will auch das Streiten gelernt sein. Tagelanges Anschweigen oder wochenlanges Drama, fördert bestimmt nicht das zufriedene Zusammenleben. Ganz im Gegenteil, es macht sehr viel kaputt. Verzichte auf alle Dramen dieser Art, denn damit tust du euch nichts Gutes. Willst du Recht haben, oder glücklich sein? Springe öfter mal über deinen Schatten, wenn du einen Partner hast, der das noch nicht hinbekommt. Auch hier hilft dir das Vergebungs-Ritual, dass ich bei meinem letzten Artikel schon angesprochen habe. Du hast selbst oft die Wahl, wie lange sich euer Streit hinzieht. Das heißt nicht, dass du untertänig sein sollst. Hinterherlaufen bringt auf die Dauer natürlich nichts, wenn du dich dadurch wertlos und ungeliebt fühlst. Wenn du dich dadurch aber liebenswert findest, was spricht dann dagegen, auf den anderen zuzugehen? Ganz wichtig ist, dass du dich mit deinen Handlungen in deiner Selbstliebe und deinem Selbstwertgefühl unterstützt und nicht darunter leidest.

 

Wenn du dich von einem Streit nicht richtig lösen kannst, und du dir darüber immer wieder Gedanken machen musst, kann dir die folgende Vorgehensweise vielleicht helfen:

Setzte dich bequem hin und schließe deine Augen. Nun gehe gedanklich zurück zu einer Streitsituation, in der du überzeugt warst, im Recht zu sein. Erinnere dich möglichst bis ins kleinste Detail in den Streit zurück. Du dachtest, du hast recht. Der andere hat unrecht. Nun stelle dir die Frage: „Ist das wahr?“ Sieh den Streit wie ein Zeuge vor dir. Höre in dich. Was hast du gesagt? Was hat der andere gesagt. Ist das wahr, dass der andere unrecht hat? Bist du absolut sicher? Wenn deine Antwort „Ja“ lautet, dann frage dich: „Kann ich wirklich zu hundert Prozent wissen, dass das so ist?“ Wie hast du dich in der Situation verhalten? Wie hast du reagiert? Nimm wahr, wie du warst. Bist du laut geworden? Manchmal ändert sich die Ansicht, wenn man genauer hinsieht. Vielleicht hattest du doch nicht Recht? Wenn du dich immer noch ganz klar im Recht fühlst, dann stelle dir die Frage: „Will ich Recht haben, oder will ich glücklich sein?“ Nun nimm dich selbst und deinen Streitpartner mit Augen des Mitgefühls war. Vertrage dich in Gedanken, vielleicht mit einer gedanklichen Umarmung. Atme noch ein paar Mal tief ein und aus und öffne die Augen. 

 

Nun wünsche ich dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit du auch immer dich gerade befindest.

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in dir!

Deine Andrea

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