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Eifersucht

„Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“

Franz Grillparzer

 

Früher hatte ich schon wochenlang vor einer Party Angst davor, dass dort vielleicht eine Situation entstehen könnte, die mich eifersüchtig machen könnte. Ich erschuf mir in meinen Gedanken Fantasiegeschichten, die eine Situation darstellten, in der ich von meinem Partner auf irgendeine Art und Weise hintergangen werde. Ich malte mir in allen möglichen Varianten eine Szene aus, in der ich links liegen gelassen werde und mein Partner sich für eine andere Frau interessiert. Somit kreierte ich mir in meiner Vorstellung eine Eifersucht, die in der Realität eigentlich noch gar nicht vorhanden war. Auf die Party selbst, die eigentlich etwas Schönes sein sollte, konnte ich mich dann überhaupt nicht mehr freuen. Ganz im Gegenteil. Ich stand enorm unter Druck. Meistens bekam ich genau an diesen Abenden auch noch unreine Haut und fühlte mich natürlich dann auch dementsprechend unattraktiv und überhaupt nicht liebenswert. Aufgrund meiner Unsicherheit versuchte ich mich dann den ganzen Abend über an meinen Partner zu klammern. Nun reichte ein kurzes Lächeln und ein „Hallo!“ meines Freundes gegenüber einer Frau aus, um den Zünder in mir zu aktivieren. Die Bombe ging hoch. Ich sah nur noch rot und das Drama nahm seinen Lauf.

  

Das nächste Fest kam und mein Erlebnis vom vorherigen Fest schürte erneut die Panik in mir. Das steigerte sich von mal zu mal. Meine Unsicherheit nahm immer weiter zu. Ich hatte dermaßen Angst vor der Situation, dass ich ihr schließlich aus den Weg ging. An der nächsten Party nahm ich dann, vor lauter Angst, schon gar nicht mehr teil, sondern reimte mir zu Hause in meinem Leid die extremsten Geschichten zusammen. Verständlich, dass die anschließenden Treffen mit meinem Freund alles andere als harmonisch waren. Ich versuchte ihn regelrecht über jede Sekunde des Abends auszuquetschen und unsere Zusammenkunft glich einem Verhör. Zusätzlich warf ich ihm Dinge vor, die nur in meinem Kopf passiert sind, aber nicht in Wirklichkeit. Dadurch erzählte mir mein damaliger Freund natürlich überhaupt nichts mehr. „Kein Wort, ohne meinen Anwalt!“ Er sagte mir, ich solle unbedingt bei der Kripo anfangen und die Verbrecher verhören. Denn darin sei ich eine wahre Meisterin. Heute kann ich darüber lachen. Doch damals brachten mir meine Gedanken und mein Verhalten letzten Endes immer Streit, Flucht und Einsamkeit, tagelanges Drama und eine unendliche Scham gegenüber mir selbst.

  

Heute sehe ich Partys als eine Chance, wieder ein bisschen weiter zu kommen. Sie machen mir keine Angst mehr. Natürlich kommt es immer zu Situationen, die früher den Zünder aktiviert hätten. Doch heute gibt es keinen Zünder mehr in mir. Denn schon bevor die Feier los geht, ändere ich meine negativen Gedanken in liebevolle Gedanken. Wenn ich dann meinen Mann mit einer attraktiven Frau reden und lachen sehe, spüre ich ganz kurz einen kleinen Stich in mir, der mir einfach mitteilt, dass da einmal große Ängste und sehr viel Leid in mir waren. Ich nehme den Stich war, atme und konzentriere mich ganz auf mich selbst. Während mein Mann mit einer anderer Frau spricht, beobachte ich nicht mehr ihn und sie, sondern nur noch mich selbst. Wenn ich es nicht schaffe, mich innerlich zu beruhigen, gehe ich kurz zu den Toiletten, stelle mich vor den Spiegel, sehe mir direkt in die Augen und hole mich mit dem Satz: „Ich bin hier.“ zurück zu mir. Dann gucke ich mich weiter an und stelle mir die Fragen: „Wie will ich sein? Wie will ich leben?“ und gebe mir selbst die Antworten darauf. „Ich will friedlich und glücklich sein. Ich will keine eifersüchtige Furie sein und vor allem will ich kein Drama mehr. Ich will Frieden.“ Ich mache mir bewusst, dass ich selbst die Wahl habe, wie dieser Abend verläuft. Nachdem ich mich wieder stabil in mir selbst fühle, gehe ich zurück zur Feier. 

 

Auf der letzten Party war es so, dass mein Mann am Buffet mit einer der attraktivsten Frauen des ganzen Abends ins Gespräch kam. Früher hätte mich diese Situation ziemlich aus der Bahn geworfen. Doch heute saß ich währenddessen an meinem Platz, ein leckeres Dessert vor mir. Als ich meinen Mann zusammen mit der Frau sah, spürte ich eben diesen kleinen, kurzen Stich in mir, hielt mich aber nicht daran fest. Ich erinnerte mich daran, dass ich mit dem Fixieren der Beiden auch nichts ändern werde. Ich erinnerte mich daran, wie ich sein will und wie ich leben will und machte mir bewusst, dass ich keine Gefangene meiner Gefühle bin, sondern selbst entscheiden kann, was nun mit mir passiert. In meinen Gedanken sprach ich den Satz: „Ich entscheide mich für die Liebe.“ Damit ließ ich meinen Mann los, konzentrierte mich ganz auf meine Atmung und auf das Dessert vor mir. Dann begann ich das Dessert langsam und mit all meinen Sinnen zu genießen. Keine drei Minuten später saß mein Mann an meiner Seite und legte seinen Arm um mich.

 

Wie kannst Du dem Zustand der Eifersucht entkommen?

Auch hier ist die Antwort wieder Selbstliebe und Konzentration auf Dich selbst. 

  • Ändere Deine Befürchtungen schon vor der Situation in liebevolle Gedanken gegenüber Dir selbst.
  • Nehme Deine Eifersucht an und verurteile Dich deshalb nicht. Eine berechtigte Eifersucht ist durchaus gesund.

  • Erkenne, ob Deine Eifersucht aus Deiner Fantasie entsteht, oder ob es wirkliche Gründe dafür gibt.

  • Konzentriere Dich in der Situation ganz auf Dich selbst.

  • Mache Dir bewusst, dass Du selbst Herr der Lage bist. Du bist keine Gefangene/kein Gefangener Deiner Gefühle.

  • Verlasse eventuell kurz die Szene um zurück zu Dir zu finden.

  • Mache eine Atemübung und rede Dir selbst gut zu. (Wie willst Du leben? Wie willst Du sein?)

  • Entscheide Dich für den Frieden und die Liebe.

  • Wenn Du über das Geschehene und Deine Gefühle mit Deinem Partner sprechen willst, verschiebe das auf den nächsten Tag, auf einen ruhigen Moment. Spreche dann, ohne Deinem Partner Vorwürfe zu machen. Lerne hierzu unbedingt „gewaltfreie Kommunikation“.

  • Arbeite immer weiter an Deiner Selbstliebe.

  • Scheue Dich nicht davor, Dir professionelle Hilfe, z.B. in Form einer Verhaltenstherapie, zu holen.

Ich hoffe Du kannst mit diesen Werkzeugen entspannter auf die nächste Feier gehen. Wenn Du momentan nicht richtig daran glaubst, dass Du lernen kannst, Deine Eifersucht irgendwann in den Griff zu bekommen, dann kann ich Dir versprechen, wenn es bei mir möglich ist, dann klappt es auch bei Dir. Denn ich war so ungefähr die Eifersucht in Person. Meine Eifersucht war tatsächlich der Grund dafür, weshalb ich mich das erste mal an eine Psychotherapeutin gewandt habe. Betrachte die nächste Gelegenheit, die das eifersüchtige Gefühl in Dir hochkommen lässt, als Übung. Und falls es doch einen Rückschlag ins Drama gibt, sei nicht zu streng mit Dir. Schäme Dich nicht und mache Dich nicht selbst dafür nieder. Eifersucht ist ein Gefühl das meistens mit großen Verlustängsten und einem verminderten Selbstwertgefühl zusammenhängt. Übe einfach immer weiter und habe viel Geduld mit Dir. Und wenn Du eine Situation meisterst, dann kannst Du wirklich stolz auf Dich sein.

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest.

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

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