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Beziehungsmuster erkennen und auflösen

Dein Beziehungspartner konfrontiert Dich immer wieder mit den Themen Deiner Kindheit, die noch nicht in Dir geheilt sind - solange, bis Du sie IN DIR heilst.

Vor Kurzem habe ich die Schilderung folgender Situation bekommen, auf die ich in diesem Video eingehe:

 

„Ich habe einen Mann kennen gelernt und mich verliebt. Der Anfang mit uns war wunderschön, wir haben eine schöne Zeit miteinander verbraucht. Ich war glücklich und sehr verliebt. Irgendwann habe ich angefangen, misstrauisch zu werden, weil er nicht oft Zeit für mich hatte und habe in sein Handy geschaut. Da habe ich viele Frauen entdeckt mit denen er kommuniziert und sich auch trifft. Ich habe mich nicht getraut ihn darauf anzusprechen, doch irgendwann hat mich das Thema eingeholt. Ich wurde sehr eifersüchtig und habe ihm ständig Vorwürfe gemacht. Dies hat mich sehr traurig gemacht, ich konnte nicht mehr schlafen und hatte ständig diese Filme im Kopf. Schließlich konnte er das nicht mehr ertragen und hat sich nach 3 Jahre von mir getrennt. Wir haben den Kontakt nicht richtig verloren, sondern uns hin und wieder gesehen. Nun, nach zwei Jahren der Trennung, wollten wir nochmal einen Versuch starten. Sofort holten mich das Misstrauen, die Eifersucht und die Filme in meinem Kopf wieder ein. Ich habe ihn wieder vorgeworfen, dass er noch andere Frauen trifft, habe wieder geklammert und kontrolliert, wann er online ist. Aufgrund dessen hat er sich wieder von mir zurückgezogen. Ich leide wieder, weine, habe schlaflose Nächte und ständig Bilder in meinem Kopf, bei denen er mit anderen Frauen zusammen ist. Ich verstehe nicht, warum ich wieder alles kaputt mache. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich es gar nicht anders möchte: Das Leiden mein normaler Zustand ist. Meine Kindheit war nicht so schön. Von meiner Mutter habe ich nie Liebe bekommen. Ich habe noch drei Bruder, alle drei hat meine Mutter vergöttert. Ich war für sie nur eine Mitläuferin. Mein Vater war oft betrunken und hat mich geschlagen. Ich bin beruflich erfolgreich und finanziell abgesichert..."

Das Beziehungsmuster

Wir lernen einen Mann kennen, wir sind verliebt, es ist alles wunderschön und der Mann ist uns sehr zugewandt. Irgendwann kommt der Punkt, an dem der Mann plötzlich keine Zeit mehr für uns hat, er zieht sich immer mehr zurück und macht aus seinem Leben irgendwie ein Geheimnis. Wir werden immer misstrauischer und eifersüchtiger, fühlen uns überhaupt nicht mehr wohl in der Beziehung. Wir fangen an, zu kontrollieren und sind mit unseren Gedanken die ganze Zeit bei unserem Partner. Wir haben Angst, ihn zu verlieren und dass er uns belügt oder betrügt.

1. Szenarium: Unser Misstrauen ist berechtigt

Der Mann, der mit uns zusammen ist, hat wirklich nur sehr wenig Zeit für uns, hat heimlich mit anderen Frauen Kontakt, z.B. in Form von Textnachrichten über das Handy oder Treffen - ohne uns davon zu erzählen. Er behandelt uns zusätzlich nicht gut, redet uns ein wir seien krank, beschwert sich über unser Misstrauen und hat immer irgendwelche Rechtfertigungen für seine Handlungen. Er gibt uns die Schuld, für sein Verhalten.

2. Szenarium: Unser Misstrauen ist nicht berechtigt

Der Mann, der mit uns zusammen ist, ist gegenüber uns zwar verschlossen, schreibt natürlich auch in seinem Handy, aber er ist uns gegenüber treu.

Unser Beziehungsbild

Unser erstes Bild von einer Beziehung entsteht in unserer Kindheit. Bei der Beobachtung unserer Eltern lernen wir, wie Beziehung funktioniert. So, wie unsere Eltern uns Beziehung vorleben, wie sie sich gegenseitig behandeln, wie sie miteinander kommunizieren, wie sie sich ihre Liebe und Zuneigung zeigen, prägt uns, in unserem ersten Bild von einer Beziehung. Als Kinder stellen wir das, was unsere Eltern tun, nicht in Frage. Wenn unsere Eltern vor unseren Augen streiten, sich anschreien, unser Vater vielleicht sogar Alkoholiker ist, seine Frau schlägt etc. ist das für uns als Kind der Normalzustand und wird erst einmal überhaupt nicht in Frage gestellt. Deshalb erleben wir unsere erste Beziehung häufig auch genau in diesem Stil wieder.

 

Es ist sozusagen „ in Ordnung“ für uns, wenn uns der Mann so behandelt, wie unser Vater unsere Mutter behandelt hat und wie wir selbst als Kind behandelt wurden. Wir fühlen uns für die Handlungen unserer Eltern häufig sogar schuldig. Wenn wir z.B. als Kind von unserem Vater geschlagen worden sind, dann hat in unseren Augen damals nicht unser Vater etwas falsch gemacht, sondern wir. Wir glauben als Kind, dass wir diese Ohrfeige verdient haben. Dieses Muster kann auch im Erwachsenenalter noch in uns wirken, wenn wir nicht anfangen, es in Frage zu stellen. Zusätzlich lernen wir als Kind auch, welche Rolle Frauen und Männer im Leben einnehmen. Gerade in meiner Generation und früher wurde uns oft vorgelebt, dass Söhne mehr Freiheiten hatten, als Töchter. Söhne wurden von ihren Müttern oft wie kleine Götter behandelt, wogegen die Töchter häufig eher still und unauffällig sein mussten. Somit entstand als Kind in uns die Vorstellung, dass Männer mehr wert sind, als Frauen. Was natürlich überhaupt nicht stimmt.

 

Außerdem prägen uns in unseren inneren Überzeugungen, Glaubenssätzen und Mustern auch die Generationen vor unseren Eltern. Denn natürlich spüren wir heute auch noch die traumatischen Erlebnisse und Belastungen unserer Vorfahren. Vor allem die traumatischen Schicksale prägen häufig über mehrere Generationen den Familienverbund.

Gesunde Grenzen setzen

Wir erdulden in unserer Beziehung oft Dinge, die wir eigentlich gar nicht möchten. Denn wir können unsere Grenzen, die wir innerlich haben, aus Angst, nach außen hin nicht vertreten. Dies führt dazu, dass wir uns in der Beziehung immer unwohler fühlen. Wir trauen uns aus Angst davor, unseren Schutz und unsere Sicherheit, den der Mann auch immer für uns symbolisiert, nicht für uns einzustehen. Wir fühlen uns aber nicht schlecht, weil der Partner so schlecht ist, sondern weil wir überhaupt nicht zu unseren eigenen Werten und Bedürfnissen stehen. Wir kontrollieren zwar den Partner und machen ihn Vorwürfe, aber das ist nicht unser Wert. Unsere Werte sind z.B. Offenheit, Ehrlichkeit und Treue. Wenn wir nun heimlich das Handy unseres Partners auf Schandtaten überprüfen, handeln wir selbst total entgegen unseren eigenen Werten, was uns schlecht und schuldig fühlen lässt. 

 

Wir sollten nicht unserem Partner Vorwürfe machen, sondern uns auf uns selbst konzentrieren. Unser Partner ist, wie er ist und steckt auch nur in seiner Haut. Er ist genauso wie wir, von seinen Eltern in seinem Verhalten geprägt. Vielleicht war sein Vater genauso. Söhne sehen in ihrem Vater auch oft ein Vorbild, egal ob es sich dabei um einen ehrlichen, treuen und liebevollen oder um einen unehrlichen und unterkühlten Menschen gehandelt hat.

 

Es geht jetzt darum, Dir klar darüber zu werden, was Du selbst möchtest und zu lernen, zu Dir zu stehen.

  • Werde Dir klar darüber, was Du möchtest.
  • Kommuniziere offen und ehrlich, was für Werte Dir in einer Beziehung wichtig sind.
  • Kommuniziere auch offen und ehrlich über Deine Ängste und Gefühle mit Deinem Partner und was Du Dir wünschst.
  • Setze klar und deutlich Deine Grenzen.

Stelle Dein Beziehungsbild in Frage und verändere es

So, wie unsere Eltern sind, prägt uns auch in unserem Männer- und Frauenbild. So, wie unser Vater war, glauben wir (unterbewusst), dass Männer sind. So, wie unsere Mutter war, glauben wir (unterbewusst), dass Frauen sind. Doch, wie Beziehung ist, wie Männer und Frauen sind, ist nicht so, wie wir es als Kind erlebt haben. Wir können in einer Beziehung gut behandelt werden, wir können eine Beziehung voller Liebe, Ehrlichkeit und Offenheit erleben, wir können eine glückliche und erfüllte Beziehung erleben, wenn wir es uns erlauben und wenn wir glauben, dass dies für uns möglich ist.

  • Verdienst Du es, eine glückliche und erfüllte Beziehung voller Liebe zu erleben?

Verändere Dich in den Menschen, der eine glückliche Beziehung verdient

Es gilt in Dir ein Wertigkeitsgefühl und eine Würde gegenüber Dir selbst aufzubauen. Das kannst Du jedoch nicht, wenn Du weiterhin Deinen Fokus und Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Partner richtest - egal wie er ist. Das kannst Du nur, wenn Du Deinen Fokus auf Dich richtest und Dich gut um Dich kümmerst.

 

Die Wahrheit ist, Du wirst es niemals zu hundert Prozent wissen, ob Dein Partner ehrlich und treu Dir gegenüber ist. Keine Frau und auch kein Mann wird jemals zu hundert Prozent wissen, ob ihr Partner oder ihre Partnerin ehrlich und treu ist, oder nicht. Aber Du kannst ein Mensch werden, der sich selbst achtet, annimmt und wertschätzt und sich zutraut, es zu verdienen, einen Partner in seinem Leben zu haben, der es gut mit ihm meint.

 

Solange Du misstrauisch bist, Deinen Freund kontrollierst und darüber nachdenkst, ob er Dich anlügt oder betrügt, nimmst Du Dir damit selbst die Freude, die Liebe und den Frieden weg. 

 

Ist es das wirklich wert?

 

Wenn Du nicht mehr darüber nachdenkst, was Dein Freund tut, sondern darüber nachdenkst, was Du jetzt tun kannst, damit es Dir gut geht, dann bist Du auf dem richtigen Weg. Dann kannst Du Selbstvertrauen gewinnen. Das Misstrauen verschwindet nicht, wenn Dein Freund treu ist. Du wirst immer glauben, dass er untreu ist, wenn Du nicht an Deinem eigenen Selbstvertrauen und Deiner Selbstliebe arbeitest. Dein Misstrauen wird verschwinden, wenn Du lernst, Dir selbst zu vertrauen und Dir zuzutrauen, dass Du einen treuen Mann einer Deiner Seite verdient hast. 

 

Frage Dich nicht, ob Dein Freund heimlich eine andere hat. Frage Dich lieber, warum Du Zeit mit diesem Menschen verbringen möchtest und was Du an ihm liebst.

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

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