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Misstrauen in der Partnerschaft - verstehen und heilen

Misstrauen in der Partnerschaft - verstehen und heilen

In dieser Podcastfolge spreche ich sehr tief und umfangreich über das Thema Misstrauen in der Partnerschaft.

  

Du erfährst u.a.:

  •  was es eigentlich genau bedeutet, zu vertrauen
  • was es eigentlich genau bedeutet, zu misstrauen

  • was da genau in uns abläuft, wenn wir misstrauisch sind

  • wovor wir wirklich Angst haben, wenn wir misstrauisch

  • was es mit dem Misstrauen gegenüber unserem Partner wirklich auf sich hat

  • wie Du das Thema Misstrauen angehen und für Dich lösen kannst.

Ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Zuhören!

 

Deine Andrea


 „Der Glaube ist ein großes Gefühl von Sicherheit für die Gegenwart und die Zukunft, und diese Sicherheit entspringt aus dem Vertrauen, auf ein übergroßes, übermächtiges, unerforschliches Wesen. Auf die Unerschütterlichkeit dieses Glaubens kommt alles an.“

Johann Wolfgang von Goethe

Vertrauen in der Partnerschaft

Wenn ich in meiner Partnerschaft im Vertrauen bin, dann habe ich den unerschütterlichen Glauben in mir, dann bin ich zutiefst davon überzeugt, dass mein Partner ehrlich zu mir ist und dass er zu dem steht, was er sagt. Ich bin dann im Vertrauen, wenn ich davon ausgehe, dass sich mein Partner so verhält, wie es in meinen Augen korrekt ist.

Misstrauen in der Partnerschaft

Wenn in meiner Partnerschaft misstraue, dann gehe ich davon aus, dass der andere nicht die Wahrheit spricht, also unehrlich ist und dass sein Verhalten, mit dem was er sagt, nicht zusammenpasst. Misstrauisch bin ich dann, wenn ich davon ausgehe, dass sich mein Partner mir gegenüber nicht korrekt, falsch und unehrlich verhält und dass er etwas tut, was meinen eigenen Werten und Bedürfnissen nicht entspricht.

Gemeinsamkeit von Vertrauen und Misstrauen

Egal, ob es sich um Vertrauen oder Misstrauen handelt, es handelt sich dabei immer um etwas, dass ich nicht weiß, um etwas Ungewisses und Unklares. Es handelt sich hierbei immer um meine persönliche Vermutung von etwas, dass im gegenwärtigen Moment oder in der Zukunft geschieht und hat mit dem, was dann tatsächlich geschieht, überhaupt nichts zu tun. 

 

Egal, ob ich im Vertrauen oder im Misstrauen bin, in beiden Situationen bin ich in einer Erwartungshaltung, wie etwas im Gegenwärtigen Moment abläuft oder in der Zukunft für mich ausgeht.

 

Vertrauen ist die Erwartung oder auch die Hoffnung, dass alles gut ist oder in der Zukunft etwas Gutes geschieht. Im Vertrauen traue ich meinem Partner zu, dass er sich mir gegenüber korrekt verhält. Also in dem Sinne korrekt verhält, wie es meinen eigenen Werten und Bedürfnissen entspricht. 

 

Im Misstrauen zu sein, bedeutet, die Erwartung oder auch die Angst zu haben, dass etwas Schlimmes passiert. Im Misstrauen, traue ich dem anderen praktisch nicht zu, dass er sich mir gegenüber korrekt verhält. Ich traue ihm nicht zu, sich so zu verhalten, wie es meiner Meinung nach in Ordnung wäre und wie es meinen persönlichen Werten und Bedürfnissen entspricht.

Was läuft in mir ab, wenn ich misstraue?

Der Zustand des Misstrauens oder des Vertrauens startet immer mit einem gedanklichen Prozess. Ich stelle mir gedanklich vor, wie etwas sein könnte. Da Misstrauen oder auch Vertrauen Erwartungshaltungen sind, kommen diese Gefühle nur zustande, wenn ich mir etwas erwarte und die dazu passenden Gedanken mache. Je nachdem, was ich mir gedanklich vorstelle, was passieren könnte, kommen dann auch die entsprechenden Gefühle in mir hoch. Letzten Endes entscheidet die eigene Vorstellungskraft darüber, ob ich vertraue oder misstraue. Ich kann mir mit meiner Vorstellungskraft eine schöne oder auch eine schreckliche Gegenwart oder Zukunft kreieren. In einem Zustand des Misstrauens kreiere ich mir in Gedanken ein mögliches Szenarium, dass in mir misstrauische Gefühle erzeugt. 

  

Beispiel: Der Freund oder die Freundin hängt die ganze Zeit am Handy

Wenn ich ein misstrauischer Mensch bin, beobachte ich diese Szene, mache mir meine Gedanken dazu und stelle meine meist negativen Vermutungen auf. Wenn ich ein Mensch bin, der vertraut, dann mache ich mir über diese Szene überhaupt keine Gedanken oder Sorgen mehr. Im Vertrauen gehe ich ganz automatisch davon aus, dass sich der Partner mir gegenüber korrekt verhält. Ich fühle mich sicher und geliebt, ohne dass mir der Partner hierfür noch irgendeinen Beweis liefern muss.

 

Vertrauen oder Misstrauen zu haben, ist eine Sache des Glaubens. Es ist eine Sache, wie ich mir in meiner Vorstellung meine Welt kreieren möchte. Denn wissen kann ich es nie. Der Partner hat genug Gelegenheiten sich so zu verhalten, wie es meinen eigenen Werten und Bedürfnissen nicht entspricht. 

Im realen Hier und Jetzt ist Misstrauen fast nicht möglich

Misstrauen ist nur möglich, wenn man sehr in seiner Vorstellung lebt. Im Hier und Jetzt ist Misstrauen so gut wie nicht möglich, denn im gegenwärtigen Moment geschieht meistens nichts Gefährliches oder Unrechtes. Bei dem Beispiel mit dem Handy, ist mein Partner im gegenwärtigen Moment einfach nur am Handy. Nicht mehr und nicht weniger. Alles darüber hinaus, was ich mir in Gedanken aufgrund dessen zusammenreime, hat mit der momentanen Realität nichts zu tun und entspringt rein meiner Vorstellung.

Der Teufelskreis des Misstrauens

Die Geschichten, die wir uns in unserem Kopf kreieren, lassen in uns ein Gefühl des Misstrauens entstehen. Und das Gefühl des Misstrauens, lässt uns glauben, dass wir richtig liegen und veranlasst uns dazu, noch mehr misstrauische Gedanken in uns zu erzeugen. Unsere Gedanken erzeugen unsere Gefühle und diese Gefühle bestätigen uns sozusagen, dass es doch stimmen muss, was wir denken. So geht das immer weiter und das Gefühl des Misstrauens verstärkt sich immer mehr. Ein Teufelskreis.

Was geschieht, wenn mein Misstrauen berechtig ist?

Wenn es tatsächlich zu einem Vertrauensbruch kommt, dann entsteht ein Gefühl der Enttäuschung in uns. Wenn mich mein Partner tatsächlich angelogen oder betrogen hat, dann liegt es nun  an mir, ob ich weiterhin mit diesem Menschen zusammenbleiben und mich mit ihm auf eine Zukunft ausrichten möchte, indem diese Situation eine einmalige Sache war, oder nicht. Eine Ausrichtung auf eine Zukunft, in der ich wieder betrogen und belogen werde, macht nicht wirklich Sinn. Denn, wenn ich heute schon davon ausgehe, dass ich noch einmal hintergangen werden, warum bleibe ich denn dann überhaupt mit diesem Menschen zusammen? Bleibe ich mit ihm zusammen, weil ich ihn wahrhaft liebe, oder weil ich alleine einsam bin und mich wertlos und ungeliebt fühle?

Warum sind wir misstrauisch?

Mit Gedanken, die aus Misstrauen entstehen, versuchen wir das Verhalten unseres Partners zu kontrollieren. Damit versuchen wir uns Sicherheit zu verschaffen. Wenn wir jetzt schon einmal denken, was passieren könnte, dann wären wir, falls es tatsächlich zu einer Situation kommen würde, sozusagen schon einmal vorbereitet und es erwischt uns nicht mehr so eiskalt und unvorbereitet.

Was passiert wirklich mit mir, wenn ich misstrauisch bin?

Wenn ich misstraue, dann bin ich eigentlich schon die ganze Zeit in genau dem Zustand, den ich mit meinem Misstrauen eigentlich vermeiden möchte. Ich erzeuge in mir in Wahrheit eigentlich genau das Gegenteil von dem, was ich damit erreichen möchte. Denn, wenn ich mich misstrauisch fühle, dann fühle ich mich nicht  sicher und geschützt, sondern unsicher und machtlos.

Der Vorteil von Misstrauen

Der einzige Vorteil von Misstrauen ist, dass ich mich, wenn es tatsächlich zu einem Vertrauensbruch kommt, dann gut fühle. Denn damit fühle ich mich dann bestätigt und fast schon erlöst. Denn dann hatte ich ja die ganze Recht mit meinem Misstrauen. Nur um dieses Gefühl zu fühlen, dass ich Recht hatte, befand ich mich monatelang vielleicht sogar jahrelang in einem Zustand des Misstrauens, der sich während dieser Zeit überhaupt nicht gut für mich angefühlt hat.

Der Nachteil von Vertrauen

Der einzige Nachteil, wenn ich vertraue ist, dass ich, wenn ich tatsächlich belogen oder betrogen werde, zuerst einmal in einen Schockzustand geraten kann. Doch dafür hatte ich all die Monate und Jahre zuvor ein gutes, zufriedenes und lebensbejahendes Gefühl in mir. 

 

Nun könnte man sich die Frage stellen: Was wäre denn wirklich passiert, wenn ich die letzten Monate und Jahre tatsächlich in einem zufriedenen, lebensbejahenden und wohlwollenden Gefühl gegenüber meinem Partner gelebt hätte? Wäre es denn dann überhaupt zu einem Vertrauensbruch gekommen? Oder habe ich mit meinem misstrauischen Verhalten nicht sogar selbst ein bisschen dazu beigetragen, dass mich mein Partner irgendwann einmal tatsächlich anlügt oder sich vielleicht sogar eine neue Partnerin sucht?

Warum misstraue ich wirklich?

Wenn wir uns in einem Zustand des Misstrauens befinden, dann haben wir Angst, enttäuscht zu werden. Eine Enttäuschung ist das Ende einer Täuschung, in der ich mich befinde. Somit habe ich auf tieferer Ebene Angst davor, mich selbst in einem Menschen getäuscht zu haben. Wem misstraue ich dann auf tieferer Ebene wirklich? Dem anderen oder mir selbst? In einem Zustand des Misstrauens, misstraue ich in Wahrheit meiner eigenen Menschenkenntnis, ich misstraue meinem eigenen Gefühl gegenüber anderen Menschen, ich misstraue im Endeffekt mir selbst. 

 

Ist es nicht so, dass ich es mir selbst nicht zutraue, einen Menschen in mein Leben zu ziehen, der es ehrlich mit mir meint, der gut zu mir ist und der sich mir gegenüber korrekt verhält? Ist nicht so, dass ich genau deshalb misstraue, weil ich davon ausgehe, dass man mich, so wie ich bin, überhaupt nicht gut behandeln kann. Dass ich es vielleicht sogar gar nicht verdient habe, jemanden in meinem Leben zu haben, der es gut mit mir meint, der mich will, liebt und annimmt, wie ich bin? 

 

Was tue ich denn, damit ich angenommen werden kann und damit ich jemanden in mein Leben ziehen kann, der mich will und der mich liebt? Ich nehme selbst eine Rolle ein, von der ich glaube, dass ich, wenn ich so bin, geliebt werden kann. Bin es in Wahrheit dann eigentlich nicht die ganze Zeit ich selbst, der den anderen täuscht? 

 

Und genau deshalb misstraue ich. Ich misstraue, weil ich selbst nicht ehrlich bin, sondern weil ich eine Rolle einnehme, die die Anteile von mir verdrängt, von denen ich glaube, wenn ich diese lebe, dass ich dann nicht geliebt werden kann. Ich misstraue, weil ich mich selbst in meiner Gesamtheit, mit all meinen Licht- uns Schattenanteilen – die mich nun einmal als Mensch ausmachen - nicht annehmen kann.

 In einem Zustand des Misstrauen, täusche in Wahrheit ich den anderen,

weil ich Anteile von mir verleugne, die ich selbst ablehne.

Genau deshalb misstraue ich. 

Die Lösung gegen Misstrauen

Um Dich von dem Misstrauen endgültig zu befreien, heißt es, zu lernen, Dich selbst bedingungslos anzunehmen, mit allen Deinen Anteilen, die Dich als Mensch ausmachen, auch mit den Anteilen, die Du selbst an Dir ablehnst. Es gilt zu lernen, Dir selbst zuzutrauen, dass Du einen Menschen in Dein Leben ziehen kannst, der es ehrlich und gut mit Dir meint, obwohl Du so bist, wie Du bist. Gerade weil Du so bist, wie Du bist. 

 

Um ins Vertrauen zu kommen, ist es im ersten Schritt wichtig, ein tiefes Vertrauen gegenüber Dir selbst zu entwickeln, dass Du, so wie Du bist, wertvoll und geliebt bist. Wenn Du dieses Vertrauen in Dich selbst entwickelt hast, dann wirst Du auch in der Lage sein, den anderen zu vertrauen. 

 

Vertrauen gegenüber Deinem Partner, hat in erster Linie etwas, mit dem Vertrauen gegenüber Dir selbst zu tun. Denn das, was unser Partner tatsächlich macht, werden wir niemals wissen. 

 

Ich wünsche Dir wirklich von ganzem Herzen, dass Du erkennst, was für ein wertvoller und wundervoller Mensch Du bist und Du Dein eigenes Vertrauen verdient hast.

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest. 

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

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