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Verlustangst – erkennen, verstehen und auflösen

Verlustangst heilen | Verlustangst überwinden | Verlustangst verstehen | Verlustangst auflösen

In dieser Folge erfährst Du: 

  • wie sich Verlustängste ausdrücken können

  • woher tiefe Verlustängste ursprünglich kommen

  • was die wahrhafte Angst hinter Verlustangst ist

  • wie Du das Thema Verlustängste angehen und für Dich lösen kannst

Ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Zuhören!

 

Deine Andrea


Die Angst vor Trennung und Verlust

Wenn ich mich zurückerinnere, wie ich früher in Beziehungen war, dann fällt mir als erstes ein, dass sich meine Gedanken ununterbrochen um meinen Partner gedreht haben. In meinen Gedanken tauchte ich komplett in das Leben meines Freundes ein und vergaß damit mein eigenes Leben. Alles drehte sich um die Beziehung und um ihn. Es gab nicht mein eigenes Leben. Es gab nur sein oder unser gemeinsames Leben. Damals machte ich mir jedoch deshalb überhaupt keine Gedanken. Es war vollkommen normal für mich, dass sich alles um meinen Freund drehte. Nur wenn ich mit meinem Freund zusammen war, dann war ich ganz.

 

Jetzt kannst Du Dir gut vorstellen, was mit mir passierte, wenn eine Beziehung auseinander ging. Es zog mir komplett den Boden unter den Füßen weg. Es fühlte sich an, als hätte ich einen Teil meiner Seele verloren. 

Woher kommen Verlustängsten?

Die Verlustangst entsteht als Baby, ungefähr im alter zwischen 15 und 24 Monaten, wenn man sich selbst schon als eigene Person wahrnimmt. Wenn das Baby auf die Welt kommt, dann nimmt es sich noch nicht als eigene Person wahr. Das geschieht erst, wenn es älter wird. Mit etwa 15 bis 24 Monaten erkennt das Kind, dass es eine eigene Person ist. In dieser Phase geht es darum, dass das Kind in sich selbst die Sicherheit entwickelt, dass es, wenn es alleine ist, vollständig ist.

 

Hier wird das Urvertrauen aufgebaut, dass man, wenn man alleine ist, immer darauf vertrauen kann, nicht zu sterben, weil die Eltern immer wieder zurückkommen und man dadurch am Leben bleibt. 

 

Im Leben geht es darum, dass man sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickelt. Es geht darum, eine eigene, stabile Identität aufzubauen und unabhängig von einem anderen existieren zu können. Sich also von der Abhängigkeit, die von Grund auf da ist, zu befreien. Wenn es nun als Kleinkind zu einer Situation kommt, in der das Kind z.B. schreit und niemand kommt, dann wird dieses Urvertrauen alleine am Leben zu bleiben, in den Wurzeln erschüttert. Wenn das Kleinkind schreit und niemand kommt, dann erlebt es eine Todesangst. Dies ist der Ursprung der Verlustängste, die einem im späteren Leben immer wieder einholen.

 

Später, im Beziehungsleben, versucht man dann, aus der unbewussten Angst alleine zu sterben, einem anderen möglichst nahe zu sein. So nah, wie nur möglich. 

Zeichen für Verlustängste

  • Deine Gedanken drehen sich ständig um Deinen Partner.
  • Du bist in einer Warteposition und fieberst extrem dem nächsten Treffen entgegen.

  • Jeder Abschied, ist wie ein Abschied für immer.

  • Du tauchst in sein Leben ein. Deine Energie ist hauptsächlich bei ihm.

  • Du erlebst Dein eigenen Leben nicht bewusst. Alles dreht sich um ihn.

  • Es gibt nur ein wir oder ein ihn für Dich, aber kein Ich.

  • Du kannst mit Dir selbst nichts anfangen.

  • Du fühlst Dich ohne den anderen unvollständig.

  • Du hast den Wunsch mit Deinem Partner zu verschmelzen.

Verliebtsein oder Verlustangst?

Wenn man die ganze Zeit mit seinen Gedanken und Gefühlen beim Partner ist, dann denkt man, dass ist Verliebtsein. Aber dieser Zustand, in das Leben des anderen einzutauchen, sich regelrecht im anderen zu verlieren, ist keine Liebe. Damit will man kontrollieren und festhalten. Damit möchte man, mit den eigenen Gedanken den anderen festhalten, um ihn nicht zu verlieren.

 

Anfangs ist der Zustand nicht belastend, aber wenn der Partner dann wieder ein bisschen seinen eigenen Weg gehen möchte, dann kommen die Probleme. Denn dann kann der, der die ganze Zeit seinen Fokus auf dem Partner hat, alleine überhaupt nichts mehr mit sich anfangen. 

Auslöser für Verlustängste

Der Auslöser für die Verlustängste sind die Situationen, wenn sich der Partner wieder mehr auf sich konzentrieren möchte und sich damit angeblich von einem entfernt.

 

In den meisten Beziehungen passiert es dann, dass man den anderen dafür verantwortlich macht, dass es einen selbst schlecht geht. Doch der andere ist nicht Schuld, der andere löst nur die alte Angst aus der Kindheit aus, die noch nicht geheilt ist.

 Der andere gibt uns die Möglichkeit zur Heilung, weil er das alte,

noch nicht geheilte Gefühl mit seinem Verhalten ans Licht holt.“

Das tiefere Thema hinter der Verlustangst ist die Angst vor der Selbstwerdung

In Wahrheit ist eine Verlustangst, nicht die Angst einen anderen Menschen zu verlieren, sondern die Angst, sich selbst zu verlieren. Weil man von Grund auf keine eigene stabile Identität aufgebaut hat und sich über den anderen identifiziert. Und wenn man hier noch eine Ebene tiefer geht, dann ist die Urangst hinter Verlustangst, die Angst vor der Selbstwerdung. Denn man hat unbewusst Angst, wenn man Selbst  wird, damit den anderen zu verlieren.

 Eine Entscheidung für die eigenen Identität,

bedeutet gleichzeitig eine Entscheidung gegen den anderen.“

Typische Zeichen, dass man keine eigene stabile Identität aufgebaut hat sind:

  • Wir wünschen uns mit unserem Gegenüber zu einem Wir zusammenzuschmelzen, also sozusagen die Getrenntheit aufzuheben, die zwischen uns besteht.
  • Wir geben unser ICH auf und leben überwiegend die Hingabe an einen anderen Menschen.

  • Der Partner wird übertrieben idealisiert.

Werte und Bedürfnisse

Wenn man keine eigene stabile Identität aufgebaut hat, dann hat man meistens auch keine eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Man passt sich komplett den Bedürfnissen des Partners an. Man richtet seinen Fokus völlig auf die andere Person, weil man unbewusst Angst, hat, wenn man den Fokus auf sich selbst richtet, damit den anderen zu verlieren.

 

Wer sich sein Leben lang über einen anderen definiert, gibt sich selbst auf. Dies kann dazu führen, dass es im Laufe des Lebens zu Depressionen kommt, weil das Leben ohne das eigenen Ich leer ist. Der Sinn des Lebens ist nicht, das Leben eines anderen zu leben. Der Sinn des Lebens ist, sich selbst zu verwirklichen und das eigene Leben zu erfahren. 

Die Lösung von Verlustängsten

Deine Verlustängste überwindest Du, indem Du Deine Angst vor der Selbstwerdung überwindest. Das heißt, indem Du Dich dieser Angst stellst und Selbst  wirst, indem Du Dir bewusst Deine eigene stabile Identität aufbaust.

 

Dies gelingt Dir, wenn Du Deinen Fokus bewusst auf Dich selbst lenkst und lernst Dich an- und wahrzunehmen. Beschäftige Dich mit Dir und lerne Dich immer besser kennen. Konzentriere Dich immer wieder ganz gezielt auf Dich selbst. Gelange zu der Einsicht, dass Du der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist und Deine eigene Selbstverwirklichung der Schlüssel für ein angstfreies Leben ist. Wenn Du eine eigene stabile Identität aufgebaut hast, dann wird auch Deine Beziehung funktionieren und Du wirst erkennen, dass Du keine Angst haben musst, den anderen zu verlieren.

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest. 

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

Buchtipp aus der Folge

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Kommentare: 3
  • #1

    Leo (Montag, 05 August 2019 21:00)

    Vielen Dankdafür das du deine Erfahrungen teilst und darüber berichtest.

  • #2

    Björn (Donnerstag, 02 April 2020 11:36)

    Hallo Andrea,

    die Poadcastfolge Verlustangst – erkennen, verstehen und auflösen habe ich mir gerade angehört und konnte mich zu 100% damit identifizieren. Wirklich klasse erklärt.
    Du hast im Poadcast erzählt, dass du in 2 Kliniken warst.

    Darf man wissen, um welche Kliniken es sich handelt ?

    Ich denke schon öfters darüber nach mir Hilfe zu suchen und würde gerne in einer Klinik gehen und mal komplett Abstand zum normalen Alltagsleben nehmen.

    Vielen Dank

    Viele Grüße
    Björn

  • #3

    Andrea Hein (Donnerstag, 02 April 2020 12:16)

    Hallo Björn,

    das ist eine gute Idee!

    Ich war zuerst im Klinikum Fünfseenland in Gauting. Diese Klinik würde ich Dir empfehlen, wenn es sehr akut bei Dir ist und Du ohne Hilfe nicht mehr zurecht kommst im Leben. Da diese Klinik auch eine Psychiatrie ist, hat sie eher Klinik-Charakter.

    Wenn es nicht ganz so eilig bei Dir ist, dann kann ich Dir die Dr. Schlemmer Klinik in Bad Tölz sehr empfehlen. Diese Klinik hat eher Kur-Charakter.

    Liebe Grüße und alles Gute für Dich.

    Andrea