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Die Schuld am Leben zu sein

Es gibt Situationen in unserem Leben, die haben uns so sehr verletzt, dass wir sie über eine sehr lange Zeit, manchmal über viele Jahre, nicht mehr vergessen können. Oft sind andere Menschen daran beteiligt. Die Verletzung hat sich regelrecht in uns eingebrannt und wird unterschwellig zum ständigen Begleiter. 

 

Und es gibt Situationen, da haben wir etwas getan, dass wir uns selbst nicht verzeihen können und leben deshalb ewig in dieser Schuld. Diese Schuld sitzt dann so tief, dass wir denken, es nicht zu verdienen, glücklich zu sein.

  

In dieser Folge steige ich sehr Tief in das Thema Schuld ein. Du erfährst unter anderem: 

  • wie Du Dich aus den Fängen der Schuld – egal ob Du Täter oder Opfer bist – befreien kannst

  • woran es liegen kann, dass Du in Deinem Leben immer wieder mit dem Thema Schuld konfrontiert wirst

  • warum ich glaube, dass sich gerade Menschen mit einer emotional instabilen Persönlichkeit mit dem Thema Schuld beschäftigen sollten

Ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Zuhören! 

Der Begriff Schuld

  •  Man ist für etwas schuldig. Ich kann z.B. an einem Streit schuld sein, oder ich kann z.B. auch schuld sein, dass ein Unfall passiert ist.
  • In unserem Rechtssystem wird man für seine Tat schuldig bzw. unschuldig gesprochen.

  • Der Begriff Schuld wird umgangssprachlich sogar in der Sexualität verwendet. Wenn man noch Jungfrau ist, dann ist man noch unschuldig. Wenn man entjungfert ist, dann macht man sich sozusagen auch hier schuldig.

  • Dann kann man den Begriff auch so herum sehen, dass man z.B. in der Schuld von jemandem steht. Du hast mir einen Gefallen getan und stehe somit in Deiner Schuld. 

Das Gefühl der Schuld

Das Gefühl der Schuld fühlt sich meistens nicht wirklich gut an. Es fühlt sich eng an und macht unfrei. Manchmal gibt einen aber auch gerade dieses enge Gefühl paradoxerweise Sicherheit und Halt. Man hält sich dann an der Schuld fest, weil man sonst offensichtlich nichts anderes hat, an dem man sich festhalten könnte.

Schuld vs. Verantwortung

Man kann auch an etwas schuld sein, dass gut gelaufen ist. Ich bin z.B. schuld, dass unser Hund heute ein Zuhause hat und nicht mehr im Tierheim leben muss.

 

Betrachtet man es so, wird aus Schuld plötzlich Verantwortung. 

 Schuld und Verantwortung sind die Gegenpole der gleichen Sache.

Es gibt immer die Seite, die uns von einem glücklichen und erfüllten Leben wegführt

und die andere Seite die uns zu einem glücklichen und erfüllten Leben hinführt.

Um sich aus den Teufelskreis der Schuld zu befreien, braucht es Selbstverantwortung. Genau diese Verantwortung ist es, die uns aus dem Gefängnis der Schuld befreit. Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und zwar in seiner Gesamtheit. Also die absolute Selbstverantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen zu übernehmen, befreit uns von dem Schuld-Gefängnis. Und hierbei ist es sogar egal, ob Du Täter oder Opfer bist. Egal in welcher Rolle wir uns befinden, die Rolle macht immer unfrei und es liegt in der eigenen Verantwortung, sich aus dieser Rolle zu befreien.

Täter vs. Opfer

Letzten Endes ist es egal, ob Du Opfer oder Täter bist. Solange Du den anderen und Dir selbst nicht verzeihen kannst, wirst Du nie ganz frei sein. Es ist unmöglich ein erfülltes und glückliches Leben zu erschaffen, wenn Du gleichzeitig noch irgendwelche Schuldzuweisungen an Dich selbst oder andere Menschen hast.  

 

Wenn Du jemanden nicht vergibst, dann bestrafst Du Dich damit eigentlich selbst. Jemanden die Schuld für etwas zu geben und nicht bereit sein zu vergeben, ist, als würdest Du selbst Gift trinken, in der Hoffnung, dass der andere daran stirbt. So lange Du an einen anderen Menschen einen Vorwurf hast, übergibst Du ihm die Verantwortung dafür, wie es Dir geht. Du gibst sozusagen die Kontrolle über Deinen eigenen Zustand an eine andere Person ab. 

 

Auch ist niemanden damit gedient, an Deiner Schuld gegenüber einem anderen festzuhalten. Niemand hat davon einen Vorteil. Auch derjenige nicht, dem Du irgendwann einmal irgendetwas angetan hast. Schuld ist eine Energie, die Dich klein hält, Dir ein negatives Gefühl und eine Schwere in Deinem Leben gibt. Schuld hält Dich immer in der Vergangenheit fest. Solange Du Dir selbst nicht verzeihen kannst und an Deiner Schuld festhältst, kannst Du Dir keinen glücklichen Seinszustand erschaffen. 

Befreiung durch Vergebung

Mit Vergebung übernimmst Du wieder selbst die vollkommene Verantwortung über Deinen Zustand. Wenn Du Verantwortung übernimmst, kannst Du Dich verändern und es in Zukunft anders machen. Mit Verantwortung kannst Du etwas aus der Erfahrung lernen. Wir alle machen Fehler. Es geht darum, an den Erfahrungen, die wir machen, zu wachsen und uns zu entwickeln. 

 

Jemanden zu vergeben, bedeutet nicht, gut zu heißen, was geschehen ist. Zu vergeben bedeutet, die Macht über den eigenen Zustand zurückzuholen. Es geht darum, das alte Leid loszulassen und Dich davon zu befreien und jeden Tag neu zu wählen, wer Du sein möchtest. 

Mitgefühl durch persönliche Weiterentwicklung

Der Mensch ist nicht hier, um perfekt zu sein. Eine heile Welt gibt es nicht. Wir sind keine Engel, wir sind Menschen und hier, um dieses Leben in all seinen Facetten zu erfahren. Dazu gehören Erfahrungen auf allen Ebenen. Ich persönlich glaube, dass das Geflecht der Schuld eine Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung ist. Denn wenn man sich einmal aus dem Kreislauf der Schuld befreit hat, ist man in der Lage sehr schnell eine höhere Bewusstseinsstufe zu erreichen.

Die Schuld am Leben zu sein – die Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Wir können ewig korrekte Menschen sein, Menschen, die sehr bedacht sind, vorsorgend sind und trotzdem kann da ein Leben lang ein unterschwelliges Gefühl der Schuld in uns mitschwingen. Wo kommt dieses Gefühl her? Wieso nur fühle ich mich schuldig? Man kann sich auch (unterbewusst) schuldig fühlen, überhaupt zu leben. Dieses Gefühl lässt einen niemals frei sein. Es ist, als würde man sein Dasein in einem unsichtbaren Gefängnis absitzen.

 

Ich persönlich glaube, dass genau dieses unterschwellige Gefühl der Schuld, am Leben zu sein, bei Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung vorhanden ist. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten. Einmal kann in der Familienbande eine unterbewusste Schuld aufgebaut worden sein. Ich habe z.B. herausgefunden, das ich in mir eine unterbewusste Schuld gegenüber meiner älteren Schwester aufgebaut habe. Und zwar die Schuld, dass nur aufgrund der Tatsache, dass ich geboren wurde, meine Schwester Depressionen bekommen hat. Denn ich habe ihr mit meiner Geburt sozusagen die Eltern erst einmal weggenommen. Plötzlich war da dieses kleine Baby, dass jetzt auch Aufmerksamkeit bekommen hat. Solche Familienkonstellationen können dazu führen, dass man sich unterschwellig ständig für etwas schuldig fühlt, ohne einen Grund dafür zu kennen.

Unterschwellige und kollektive Schuld

Ein unterschwelliges, unbewusstes Schuldgefühl, kann meiner Meinung nach auch daher kommen, dass man hier auf diese Welt gekommen ist, um für das Kollektiv als Büßer zu fungieren. Diese Rolle klingt im ersten Moment ziemlich ungerecht und dramatisch, doch hat man mit ihr auch die Chance in diesem Leben durch persönliche und spirituelle Weiterentwicklung schnell auf höhere Bewusstseinsstufen empor zu steigen. 

Schuld als Projektion

Menschen, die sich unterbewusst schuldig fühlen, suchen sich unbewusst eine Projektion, aufgrund der sie tatsächlich endlich wirklich schuldig sein können. Das heißt, ein Mensch mit diesem Muster, tut unbewusst alles, um wirklich schuldig zu werden. Man zieht automatisch Situationen an, die einen zum Täter werden lassen. Sich für etwas schuldig zu machen, ist dann unterbewusst sogar so etwas wie eine Art Erlösung: Endlich ist es greifbar. Endlich gibt es einen wirklichen Grund, warum ich mich so schuldig fühle.

 

Oder es ist genau andersherum. Man dreht den Spieß sozusagen um, wird zum absoluten Opfer und sucht immer wieder Situation, in denen die anderen schuld sind. 

Lösung der unterschwelligen Schuld

  • Selbstannahme und Akzeptanz
  • Selbstliebe und Selbstwert aufbauen
  • Selbstverantwortung übernehmen
  • das, was Geschehen ist, zu akzeptieren
  • das Leben in all seinen Licht- und Schattenanteilen anzunehmen
  • die Menschen, mit all ihren Licht- und Schattenanteilen anzunehmen

 Wir sind nicht hier, um perfekt zu sein und alles richtig zu machen.

Fehler geben uns die Möglichkeit zu wählen, wie wir sein möchten.

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest. 

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

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Die Schuld am Leben zu sein
Podcastfolge-Nr._19_Schuld.mp3
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