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Stille vs. Ablenkung

Stille ist absolut notwendig, um wirklich bei Dir selbst zu sein.

 

Wie verbringst Du Deine Freizeit? Gönnst Du Dir Zeiten der Ruhe und Stille? Oder musst Du Dich ständig mit irgendetwas ablenken? Kannst Du einfach mal nur dasitzen, nichts tun und bewusst bei Dir selbst sein?

  

Als ich früher von der Arbeit nach Hause gekommen bin, war meine erste Handlung, den Fernseher oder das Radio einzuschalten. Egal was für ein Programm, Hauptsache die Geräuschkulisse war aktiviert. In Stille mit mir alleine, habe ich es damals nicht ausgehalten.

  

Aufgrund der Depressionen wurde ich wahnsinnig geräuschempfindlich. Dadurch verzichtete ich irgendwann komplett auf jegliches Hintergrundgeräusch, wenn ich zu Hause war. Die Stille war lange Zeit schwierig, doch mit der Zeit tat sie mir immer besser und half mir, mehr zu mir zu kommen.

  

Gerade wenn man alleine ist, nutzt man das Fernsehen, Smartphone, Notebook, Tablet, etc. häufig als Ablenkung gegen Einsamkeit. Die Medien übernehmen die Rolle eines Ersatzkontaktes, weil wir aufgrund von Verletzungen, nicht mehr in der Lage sind, echte Kontakt zuzulassen. Damit meine ich auch Menschen, die sich zwar mit Menschen umgeben, aber trotzdem abgetrennt von ihnen sind.

 

Die Dauerablenkung durch die Medien kann unser Gehirn regelrecht süchtig machen. Süchtig nach Ablenkung. Durch die ständige Ablenkung, können wir uns nicht mehr richtig konzentrieren. Was nicht nur unserer Intelligenz, sondern auch unserer Kreativität und Stabilität schadet. Selbst unsere Sozial- und Kommunikationsfähigkeit leiden darunter. Unser ganzes Leben und unsere Identität werden durch den übertriebenen Umgang mit den Medien negativ beeinflusst.

 

Möchtest Du am Ende Deines Lebens wirklich erkennen, dass Du letzten Endes Dein halbes Leben damit verbracht hast, auf irgendeinen Bildschirm zu gucken? Das Leben findet nicht auf dem Bildschirm statt.

 

Ich verbringe auch viel Zeit am Laptop. Alleine schon, weil ich diesen Blog schreibe. Doch ich benutze ihn nicht als Ablenkung, sondern gezielt für meine Arbeit oder Weiterentwicklung. Mein Umgang mit den Medien hat sich vor einigen Jahren komplett verändert. Seit nun schon über acht Jahren sehe ich zum Beispiel nicht mehr fern. Mein Mann und ich gucken uns ab und zu ausgewählte Filme an. Ich lese selten Zeitung. Ich höre nur sehr selten Radio. Manchmal fühle ich mich verpflichtet, die Nachrichten zu hören, damit ich weiß, was auf der Welt los ist. Wobei ich dann jedes mal feststelle, dass sich von der Berichterstattung nichts geändert hat. Immer noch Gewalt, Krieg, Unfälle und Tod. Für manchen mag das vielleicht so klingen, als hätte ich kein Interesse an der Welt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Unsere Erde bedeutet mir alles, und genau deshalb vergifte ich meinen Geist nicht mehr mit negativen Schlagzeilen, sondern richte meinen Fokus auf das Schöne auf dieser Welt. Stelle dir einmal vor, dass nur an einem einzigen Tag weltweit nur Berichte über Frieden und Liebe ausgestrahlt werden würden? Was würde das wohl mit uns Menschen machen?

 

Ich finde es erschreckend, wenn ich beim Spazierengehen sehe, wie viele Menschen statt auf ihre Umwelt, auf den kleinen Bildschirm in ihrer Hand gucken und das meistens sogar noch mit Kopfhörern auf den Ohren. Ich glaube tatsächlich, dass der unachtsame Umgang mit den Medien mit ein Grund für viele psychische Krankheiten ist. Wir verlernen damit, unsere Gedanken zu fokussieren. In meiner Arbeit mit Jugendlichen sehe ich, wie unruhig und hektisch einige unter ihnen sind. Sogar die Kids müssen schon ständig ihr Handy checken. So wertvoll Medien sein können, so giftig werden sie, wenn wir keinen achtsamen Umgang damit lernen.

  

Wenn Du merkst, dass Dich Dein Smartphone und soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co. zu sehr einnehmen, dann frage Dich doch einmal warum das so ist? Was ist das Bedürfnis dahinter? Wenn Du wieder einmal Dein Handy zur Hand nimmst, um Deine Mails oder sozialen Netzwerke zu checken, dann halte einmal kurz inne, schließe Deine Augen und nimm war, was sich in Dir tut. Oft liegt unser Bedürfnis viel tiefer und mit dem Abchecken der sozialen Netzwerke wird es niemals wahrhaft gestillt werden.

  • Was könntest Du Sinnvolleres tun, um Dein Bedürfnis langfristig zu stillen?
Versuche einmal zu beobachten, was eigentlich in Dir passiert, wenn Du Dein Handy in dem Moment in der Tasche lässt, wenn Du danach greifen möchtest. Wie fühlt sich das für Dich an? Schließe hierfür gerne die Augen und konzentriere Dich auf Deinen Körper, Deine Atmung, Deinen Herzschlag etc. Was passiert genau? Schließe Deine Beobachtung nach ein paar Minuten ab, indem Du Deinen ganzen Körper entspannst und ein paar ganz bewusste ruhige und tiefe Atemzüge nimmst.

Versuche Dich auf diese Weise nach und nach von den Ablenkungen zu lösen. Probiere immer mal wieder, auf alle Medien zu verzichten und stattdessen Deinen Fokus auf Dich selbst oder die schönen Dinge Deiner Umgebung zu richten. Du wirst sehr bald merken, wie gut Dir das tut und wie es Dich verändert.

 

Mach' doch mal einen achtsamen Spaziergang.

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