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Die Borderline-Liebe: Fluch oder Segen

Die Borderline-Liebe: Fluch oder Segen

Ich dieser Podcasfolge schildere ich Dir, wie ich als Mensch mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung, die Liebe im Laufe meines Lebens erfahren und empfunden habe. 

 

Du erfährst u.a. 

  • in welchem Zustand der Liebe man sich als Mensch mit einer Borderline Störung befindet

  • welche Aufgabe hinter der Borderline-Liebe steht

  • meine Erfahrungen mit der Sucht nach Liebe

  • wie Du jede Sucht auflösen kannst

  • was die größten Irrtümer über die Liebe sind

  • wie die Liebe auf den ersten Blick funktioniert

  • Hintergründe zum Schwarz-weiß-fühlen in der Borderline Störung.

Ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Zuhören!

 

Deine Andrea


Ein permanenter Zustand des Verliebtseins

Wenn ich gedanklich zurück in meine Vergangenheit reise, zu dem am längsten zurückliegenden Zeitpunkt, an den ich mich bewusst erinnern kann, dann erinnere ich mich sehr gut daran, dass ich von klein auf im Laufe meines Lebens, eigentlich immer verliebt war. Dieser verliebte Zustand hat schon ganz früh, als ich etwa 4 Jahre alt war, begonnen. 

 

Ich habe einen Menschen gesehen und es war sozusagen um mich geschehen. Nur aufgrunddessen, dass ich einen Menschen gesehen habe, ich musste diesen Menschen weder kennen, noch mit ihm sprechen, wurde dieses Verliebtsein in mir ausgelöst. Ab diesem Zeitpunkt, habe ich dann angefangen von diesem Menschen immer wieder tagzuträumen. Das heißt, im Laufe meines Tages, habe ich vor meinem inneren Auge immer wieder das Bild von diesem Menschen gesehen.  

 

Damals habe ich natürlich nicht darüber nachgedacht, etwas Sexuelles mit diesem Menschen zu haben. Denn wie schon erwähnt, war ich damals ja noch ein Kind. Sondern, ich habe einfach nur vor meinem inneren Auge das Gesicht von dieser Person gesehen. Und zwar nicht als normales Gesicht, sondern wie, wenn dieses Gesicht von oben auf mich herunter strahlt. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann kommt der Vergleich einer Götzenanbetung dieser Situation tatsächlich ziemlich nahe. Im Prinzip habe ich mir tatsächlich unbewusst eine Art Götzenbild ausgesucht und dieses Symbol meiner Liebe, konnte ich dann anbeten und anhimmeln.

Die Sehnsucht nach der göttlichen Liebe

Heute interpretiere ich diese Liebe, die ich damals auf eine Person projektiert habe, als die Sehnsucht nach der göttlichen Liebe.

 

Ich glaube, dass der Mensch, den ich mir in meiner Vorstellung erträumt habe, die Rolle eines Halts oder eines Ankers in meinem Leben eingenommen hat. Du musst Dir ein kleines Mädchen vorstellen, dass auf der einen Seite, sehr schüchtern und menschenscheu war und sich auch nie wirklich dazugehörend gefühlt hat zu den anderen Kindern. Mit den meisten Kindern wollte ich auch überhaupt nichts zu tun haben, weil ich mich irgendwie anders gefühlt habe und nicht so, als würde ich da dazugehören. Auf der anderen Seite war ich aber auch ein sehr lebensfrohes, begeistertes und euphorisches Kind mit unglaublich viel Energie, dass diese Energie auch zeigen und rauslassen wollte, von meinen Eltern aber nicht gesehen wurde. Ich habe bei meinen Eltern eigentlich immer um Aufmerksamkeit gebuhlt, die konnten mir diese Aufmerksamkeit aber damals nicht geben. Teilweise habe ich mich richtig unsichtbar gefühlt. Heute glaube ich, dass ich mir mit dem Bild des Menschen, dass von oben auf mich herabstrahlt einen Halt, ein Symbol gesucht habe, dass immer an meiner Seite ist. Ein Art Anker, an dem ich mich festhalten konnte und mit dem ich mich nicht so einsam auf dieser Welt gefühlt habe.

 

Und dieser Zustand hat mir gereicht. Ich musste diese Person überhaupt nicht kennenlernen und hatte überhaupt kein Verlangen danach, mit dieser Person wirklich in Kontrakt zu treten. Sondern, mir hat dieser Zustand der Liebe, dieser Traumzustand, indem ich mich befunden habe, gereicht. 

 

Als ich älter geworden bin, hat sich das geändert. Da wurde aus dem Gesicht, eine größere Vorstellung. Eine Vorstellung, wie es wäre, mit dieser Person wirklich zusammen zu sein. Hier bin ich dann richtig eingetaucht, in meine Vorstellung von Liebe, also in die Vorstellung, was ich persönlich unter der idealen Liebe verstehe. Ich habe mir vor meinem inneren Auge ausgemalt, wie ich diese Person küsse, wie wir über Wiesen tanzen, lachen und zusammen sind. Ich hatte eine sehr blumige Vorstellung von der Liebe. Auch hier hat mir tatsächlich immer noch die Vorstellung gereicht. Ich bin in meinem Traum von der Liebe und dem Gefühl der Liebe eingetaucht und habe diesen Zustand nur für mich bewahrt. Ich kam überhaupt nicht auf die Idee, die Initiative zu ergreifen, tatsächlich mit dieser Person zusammenzukommen.

 

Ich war in meinem Traum und in dem Gefühl der Liebe zu dieser Person - und das war mein normaler Zustand. Ich habe diesen Zustand damals weder bewertet, noch in Frage gestellt, sondern angenommen und überhaupt nicht als Belastung empfunden. Dieser Zustand war gut, wie er war.

Das Ende der Illusion, war das Ende der Liebe

Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ich mit dieser Vorstellung und dem Gefühl der Liebe an dieser Person genau so lange festgehalten habe, bis ich von dieser Person desillusioniert wurde. Das heißt, bis mich diese Person aus meinen Träumen gerissen hat, indem ich sie vielleicht im echten Leben kennen gelernt habe und diese Person etwas gemacht hat, dass mit meiner Traumvorstellung von dem Bild, dass ich von ihr hatte, nicht zusammengepasst hat. Mit einem Schlag hat es mich dann sozusagen aus meinem Traumzustand in die Realität zurück katapultiert und die Liebe zu dieser Person war weg. In diesem Augenblick habe ich im übertragenen und unbewussten Sinne erkannt, dass diese Person ja gar kein Gottesbild war, sondern auch nur ein Mensch.

 

Früher war mir das allerdings alles überhaupt nicht bewusst. Ich habe nicht erkannt, in was für einer Illusion ich mich eigentlich die ganze Zeit befunden habe. Nicht einmal, als die Illusion aufgelöst wurde. Nach dieser Illusion, kam die nächste und alles lief wieder nach genau dem gleichen Muster ab.

Die erste echte Liebe

Als ich fast 18 Jahre alt war, kam der Zeitpunkt, dass dieser junge Mann, der bestimmt schon ein bis zwei Jahre in meiner Vorstellung war, tatsächlich auch im echten Leben mein Freund geworden ist. Wie diese Beziehung dann abgelaufen ist, beschreibe ich sehr deutlich in dieser Podcastfolge: Verlustängste – erkennen, verstehen und auflösen. In dieser Beziehung bin ich gedanklich und emotional völlig in das Leben meines Freundes eingetaucht. Aufgrund dieses Zustandes, des Eintauchens in den Anderen und gar nicht die eigenen Persönlichkeit entwickeln, wurde ich im Laufe der Beziehung immer abhängiger von meinem damaligen Freund. Im Gegensatz zu dem desillusionierten Zustand vor der ersten Beziehung, indem ich mich komplett von meinem „Angebeteten“ abgewandt habe, wenn mein Traum sozusagen nicht der Wahrheit entsprochen hatte, konnte ich das in der echten Beziehung dann nicht mehr. Denn vor meinem ersten Freund hatte ich ja überhaupt keine Bindung zu dem echten Menschen, deshalb war dann mit dem Auflösen der Illusion auch die Liebe weg. In der Beziehung kam hinzu, dass ich von meinem Freund als Mensch komplett abhängig wurde, weil ich ja mit meinen Gedanken und Emotionen, die ganze Zeit bei ihm war und meinen Fokus überhaupt nicht auf mich selbst richten konnte. Mein Freund konnte  dann in der Beziehung eigentlich machen war er wollte, er konnte mir sozusagen die Illusion von meiner Traumliebe komplett nehmen und trotzdem konnte ich mich dann nicht mehr von ihm lösen. Weder gedanklich, noch emotional. Hier war ich aufgrund meines Abhängigkeitsverhältnisses überhaupt nicht mehr in der Lage mich von meinem Freund zu trennen, auch wenn die Beziehung mit meiner Wunschbeziehung überhaupt nichts zu tun hatte.

Schwarz-Weiß-Fühlen

Als ich in meinem späteren Leben immer mehr in die Störung hineingerutscht bin, hat sich das dann verändert. Hier habe ich oft einen Menschen angehimmelt und von einer Sekunde zur anderen, hat sich das ins Gegenteil verwandelt. Entweder ich liebte einen Menschen abgöttisch, oder ich wollte mit diesem Menschen nichts mehr zu tun haben. Zuerst habe ich mich mit meiner vollen Energie und Liebe auf die Person eingelassen und irgendwann kam dann sozusagen das Rausreißen aus meiner euphorischen Liebe, den Schalter hat es umgelegt und ich wurde in die Realität zurückgeschleudert. Weil die andere Person natürlich in erster Linie ein Mensch mit allen Licht- und Schattenanteilen ist, und nicht nur das Göttliche, dass ich in diese Person hineininterpretiert hatte.

 

Heute ist mir bewusst, dass ich die menschliche Seite des anderen abgehlehnt habe. Doch, wenn Du hier auf der Erde mit einem Menschen zusammenleben möchtest, dann kannst Du das nicht, wenn Du nur die göttliche Seite des anderen akzeptierst. Dann gilt es beide Seiten zu akzeptieren.

Die Sucht nach Liebe

Heute ist mir klar, dass ich in Wirklichkeit überhaupt nicht von meinen Partner abhängig war, sondern, dass ich süchtig nach dieser Liebe war, der ich seit ich auf der Welt bin, nachgerannt bin. Zuerst habe ich diese Liebe, nach der ich mich gesehnt habe, auf das Bild eines Menschen projektiert und später auf meinen Freund im realen Leben.

 Sucht ist die krankhafte Abhängigkeit von einem bestimmten Zustand.

Es ist das Verlangen danach, sich in einem bestimmten Zustand befinden zu müssen.

Wenn man diesen Zustand nicht haben kann, dann fühlt man sich, als müsse man sterben. In meinem Fall, war der Zustand, den ich unbedingt haben musste, der Zustand der Liebe. Letzten Endes steht hinter jeder Sucht, die Sucht nach der Liebe, denn alles, wonach wir süchtig sind, symbolisiert auf einer tieferen Ebene, die Liebe für uns. Wenn ich nach etwas süchtig bin, dann befinde ich mich immer in einem Angstzustand, das wonach ich süchtig bin, nicht zu bekommen. Und, wenn ich das, wonach ich süchtig bin, nicht bekomme, dann muss ich im übertragenen Sinn, sterben.

Die Lösung von Sucht

Das fatale an dem Suchtzustand ist, dass ich in dem Angstzustand, indem ich mich befinde, die ganze Zeit im Außen nach meinem Suchtmittel suche und mich dadurch von meinem Inneren, indem meine Sucht dauerhaft gestillt werden könnte, immer weiter entferne. Dadurch wird die Sucht auch immer schlimmer. Weil ich mich über meine Suche im Außen immer weiter von der Erlösung in meinem Inneren entferne. 

 

Wenn ich die Liebe in mir selbst entwickle, dann kann ich mich aus dem Teufelskreis der Sucht befreien. Meiner Meinung nach ist das die Lösung aus jeder Sucht. Wenn einem irgendwann emotional klar wird, dass die Liebe im Inneren im Überfluss vorhanden ist, dann verschwindet damit die Angst, das Suchtmittel nicht bekommen zu können und damit löst sich dann auch die Sucht auf.

Wann fühle ich mich geliebt?

Fühle ich mich geliebt, wenn der andere mich liebt? Oder fühle ich mich geliebt, wenn ich den anderen liebe? In meinem Fall wird es eigentlich sehr deutlich, dass, ob ich mich geliebt fühle, mit den Gefühlen des anderen tatsächlich sehr wenig oder sogar gar nichts zu tun hat. Denn der andere wusste in meinem Fall ja oft überhaupt nicht, dass ich dieses Gefühl der Liebe für ihn empfunden habe. In Wahrheit haben meine Gefühle ja noch nicht einmal die Person betroffen, sondern die Person war immer nur ein Symbol für die göttliche Liebe.

Der erste große Irrtum über die Liebe

Der große Irrtum über die Liebe ist, dass wir davon ausgehen, dass wir uns geliebt fühlen, wenn der andere uns liebt und wir uns nicht geliebt fühlen, wenn uns der andere nicht liebt. Aber so funktioniert die Liebe nicht. Die Liebe funktioniert so, dass der andere das Gefühl der Liebe in uns auslöst. Das bedeutet, der andere symbolisiert etwas für uns, wir sehen etwas im anderen, dass die Liebe in uns auslöst.

Die göttliche Liebe

Heute glaube ich, dass wir das, was wir in dem anderen sehen, die göttliche Liebe ist. Ich glaube, dass die Liebe in uns ausgelöst wird, wenn wir, nicht mit den Gedanken, sondern auf einer viel tieferen Ebene, auf der seelischen Ebene, die Göttlichkeit im anderen erkennen. Und wenn ich das Ganze jetzt nochmal eine Ebene tiefer betrachte, dann ist es sogar so, dass ich meine eigene Göttlichkeit im anderen erkenne. Denn im anderen, erkenne ich mich selbst. Der andere ist immer ein Spiegel meiner Selbst.

Die Liebe auf den ersten Blick

Genauso funktioniert meiner Meinung nach auch das Phänomen der Liebe auf den ersten Blick. Wir sehen den anderen, wir nehmen etwas im anderen wahr und mit einem Klick, wird die Liebe in uns aktiviert. Wir nehmen unsere eigene Göttlichkeit im anderen als Mensch wahr. Das Ganze geschieht zwar auf einer seelischen Ebene, aber über unsere Sinne.

Unsere Sinne sind das Ventil für die Auslösung der göttlichen Liebe in uns

Im Leben geht es darum, hier in diesem Leben, als spirituelles Wesen, die Göttlichkeit als Mensch zu erfahren. Und unsere Sinne sind das Ventil zur Aktivierung der Liebe in uns. Über irgendeinen Sinn, muss das Signal sozusagen zu mir fließen. Das kann ein Ausdruck in den Augen des anderen sein, oder irgendein bestimmtes Merkmal. Das Ganze funktioniert natürlich auch mit den anderen Sinnen. Wir können uns in die Stimme und Ausdrucksweise eines Menschen verlieben, oder auch in den Geruch. 

Der zweite große Irrtum über die Liebe

Die Liebe wird, wie schon erwähnt vom anderen in mir aktiviert und strahlt dann von meinem Inneren nach außen. Der zweite große Irrtum über die Liebe ist, dass wir davon ausgehen, dass diese Liebe, die dann von unserem Inneren nach Außen strahlt, nur für diesen einen Menschen bestimmt ist. Wir denken, dass wir nur diesen einen Menschen lieben dürfen, der die Liebe in uns ausgelöst hat. Doch meiner Meinung soll und muss die Liebe von uns in die ganze Welt gestrahlt werden und darf nicht nur auf eine Person komprimiert werden. (Hierbei geht es jetzt natürlich nicht um die sexuelle Liebe, in der man sich treu sein möchte und mit einem Menschen "bis dass der Tod uns scheidet", zusammen sein möchte, sondern hierbei geht es rein um die göttliche Liebe, die in uns aktiviert wurde.)

Die Aufgabe hinter der Borderline-Liebe

Ich glaube, dass es gerade für Menschen mit der Borderline-Störung, die Aufgabe ist, diese göttliche Liebe in die ganze Welt zu bringen, weil diese Menschen einen besonderen Zugang dazu haben, wenn sie die Störung in sich heilen. Denn die Welt braucht mehr Liebe. Was ist denn ein Borderliner? Ein Borderliner ist ein Grenzgänger zwischen den Welten. Zwischen der Erde und dem Göttlichen. Wenn wir die göttliche Liebe in die Welt bringen, dann wird sich auch unser Zustand verändern. Genau diese Erfahrung durfte ich die letzten Jahren meines Lebens machen.

 

Wenn wir anfangen, uns mit der göttlichen Liebe in uns zu verbinden, dann werden wir einen Weg finden, womit wir die Liebe in die Welt bringen können. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten Liebe in die Welt zu bringen. Wenn Du Deinen Weg, wie Du persönlich, die Liebe in die Welt bringen kannst, findest und ausübst, dann wird sich Dein Zustand komplett verändern. 

 

Denn damit nimmst Du Deinen Platz hier auf der Erde in Würde ein. In Würde gegenüber Dir selbst und in Würde gegenüber dem Leben. Und genau darum geht es. Ich wünsche Dir aus tiefstem Herzen, dass Du diese Erfahrung in Deinem Leben machen wirst. Denn Du bist, auch wenn Du es momentan vielleicht nicht glaubst, zu einem außergewöhnlich tiefen Gefühl der Liebe fähig.

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest.

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

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