· 

Misstrauen vs. Vertrauen

Ich hatte mein ganzes Leben viele Probleme und Sorgen. Die meisten von ihnen sind aber niemals eingetreten.“ (Mark Twain)

 

Vor Kurzem hat mir mein Mann eine Szene aus einem Buch beschrieben, die mich sehr an mein früheres Leben erinnert hat. Es ging um einen Mann, der morgens versehentlich das Handy seiner Frau, statt sein eigenes eingesteckt hat. Als er an einem Haus vorbei ging, in dem ein Kerl wohnt, der ihm schon lange ein Dorn im Auge war, nahm er das Handy in die Hand um einen Anruf zu tätigen. Genau in dem Moment als er auf das Display sah, hat sich das Handy plötzlich in ein W-LAN eingeloggt. Zeitgleich erkannte er auch, dass es sich um das Handy seiner Frau handelte. Um sich zu beruhigen kam ihm der Gedanke, dass es sich ja durchaus um ein offenes W-LAN handeln könnte. Am nächsten Tag ging er dann noch einmal mit seinem eigenen Handy zu dem Ort und stellte fest, dass man einen Code benötigt, um sich in das W-LAN einzuloggen. In diesem Moment brach alles in ihm zusammen. Er vermutete eine Affäre seiner Frau mit diesem Mann. Der "betrogenen" Ehemann hat im Laufe der Geschichte dann seine Ehefrau aus Rache mit einer anderen Frau betrogen. Letzten Endes entpuppte sich seine Vorstellung allerdings als ein riesengroßer Fehler. Die Frau hatte keine Affäre mit dem anderen Mann, sondern war ihrem Ehemann immer treu gewesen.

 

Warum erzähle ich Dir diese Geschichte? Weil diese Geschichte ein schönes Beispiel dafür ist, dass unsere Vorstellung häufig mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Misstrauisch zu sein, bedeutet nichts anderes, als die Vorstellung zu haben, dass etwas Negatives passiert. Wer misstrauisch ist, befindet sich in einem Zustand der Angst. Angst zu haben, bedeutet etwas Schlimmes zu erwarten.

 

Früher war ich in meinen Beziehungen sehr misstrauisch und in meiner Vorstellung kreierte ich die schrecklichsten Szenarien. Dieses Misstrauen war der Nährboden meiner Vorstellung. Einer Vorstellung, in der mein damaliger Freund nicht gut abschneiden konnte. Ich malte mir Bilder aus, in denen mich mein Freund hintergeht, anlügt oder betrügt. Überall witterte ich Gefahr.

 

Mit Gedanken, die aus Misstrauen entstehen, versuchen wir das Verhalten unseres Partners zu kontrollieren. Wir zweifeln an einem korrekten Verhalten unseres Partners. Dies macht uns Angst. Wir haben Angst, verletzt zu werden. Und diese Angst schürt unser Misstrauen. Ein Teufelskreis. Wenn wir misstrauisch denken, glauben wir, dass wir damit Herr der Lage sind. Auf diese Weise versuchen wir uns Sicherheit zu verschaffen. Doch das kann nicht funktionieren. Genau das Gegenteil ist der Fall. Je mehr Du misstraust und somit kontrollierst, desto unsicherer wirst Du. Je mehr Du über Deinen Partner nachdenkst, je mehr Du grübelst, desto mehr entfernst Du Dich von Dir selbst. Mit Deinen misstrauischen Gedanken lebst Du in einer Vorstellung, die nicht real ist und verpasst es ein glückliches Leben zu leben. 

  • Warum bist Du misstrauisch? Warum musst Du kontrollieren?
  • Was erhoffst Du Dir mit der Kontrolle?
  • Wie fühlst Du Dich, wenn Du misstrauisch bist?
  • Was macht das Misstrauen mit Dir und Deiner Beziehung?
  • Was würde anders werden, wenn Du statt in Misstrauen ins Vertrauen gehen könntest?

Irgendwann wurde mir klar, dass ich mein Beziehungsdrama mit meinem Misstrauen selbst inszenierte und ich habe mir die Frage gestellt, was ich eigentlich in einer Beziehung möchte. 

 

Fragen zur Beziehung

  • Was bedeutet für Dich eine erfüllte und glückliche Partnerschaft?
  • Welche Werte sind für Dich in einer Beziehung wichtig? Beschreibe einmal ins Detail Deine perfekte Partnerschaft. Wie ist Deine Beziehung? Wie ist dein Partner? Wie bist Du?

  • Lebst Du diese Werte bereits in Deiner Beziehung?

  • Wie bist Du momentan in Deiner Beziehung? Was hast Du für eine Rolle?

  • Wie wichtig nimmst Du Deine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Hoffnungen?

  • Wie wichtig nimmst Du die Bedürfnisse, Wünsche und Hoffnungen Deines Partners?

Ab diesem Zeitpunkt habe ich für mich beschlossen, dass eine Beziehung keinen Sinn macht, wenn ich nicht vertraue. Entweder ich lerne zu vertrauen, oder ich verzichte auf eine Beziehung. Denn wenn mein Partner wollen würde, könnte er mich immer hintergehen. Hier gibt es keine Kontrolle.

 

Nur mit Vertrauen macht eine Beziehung überhaupt erst Sinn. Liebe und Vertrauen beginnt immer bei einem selbst. Niemals beim Partner. Was nützt es sich vorzustellen, wie schlimm alles sein könnte? Gedanken können vergiften oder heilen. Es liegt an uns selbst, welche wir wählen möchten.  

 

Wer wahrhaft im Vertrauen ist, kann seinen Partner gedanklich loslassen und die pure Liebe im Hier und Jetzt mit ihm genießen. 

 

Erst als ich meinen Partner gedanklich loslassen konnte, blühte unsere Beziehung immer mehr auf. Durch das Loslassen entstand Nähe. Das mag erst einmal paradox klingen. Doch wenn man es sich genau überlegt, macht genau das Sinn. Die wahrhaftige Liebe muss man nicht gedanklich festhalten. Sie ist immer da. Denn ihre Quelle ist in Dir.

 

Vertraust Du darauf, dass Du geliebt bist? Vertraust Du darauf, dass Du hier richtig bist, genauso wie Du bist? Um Vertrauen aufzubauen, musst Du den Fokus auf Dich selbst lenken und Dir die Liebe geben, die Du bei Deinem Partner suchst. Liebevolle Selbstannahme und das Vertrauen in Dich selbst und Dein Leben sind der Schlüssel für das Vertrauen gegenüber anderen Menschen. 

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest. 

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

Diese Artikel könnten interessant für Dich sein:

Das Dramadreieck

Eifersucht

 

Buchtipp:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0