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Wer bin ich und warum bin ich?

'Ich fühle mich fremd auf der Welt. Ich bin hier fehl am Platz. Ich kann meinem Gefühl nicht vertrauen. Ich weiß nicht wer ich bin.' Kommen dir diese Sätze bekannt vor? Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass meine Schwester schon ganz genervt von meiner ewigen Selbst- und Sinnsuche war. Ich hatte keine Ahnung wer ich war, was ich in meinem Leben machen sollte und warum ich überhaupt hier war. 

 

Immer wieder stellte ich mir neu die Frage: 'Wer bin ich?' und fand einfach keine Antwort darauf.

 

Die Identität ist die eigenen innere Landschaft.

 

Der Mensch ist sich seiner selbst bewusst.

Du guckst in einen Spiegel und erkennst Dich darin als eigenständige Person. Die Tiefe Deiner Seele jedoch ist hinter der Spiegeloberfläche. Erkennst Du auch was hinter dieser Oberfläche ist? Und vor allem, kannst Du annehmen, was da ist? Menschen, die in sich Ruhen und sich zu Hause fühlen, sind mit sich selbst, ihrem Leben und ihrer Vergangenheit im Reinen. Menschen, die ruhe- und sinnlos durch ihr Leben irren und sich immer irgendwie fremd fühlen, sind mit sich und ihrem Leben im Zwiespalt.

 

Es gibt Menschen, die suchen ihr Leben lang und finden aber nichts. Sie wühlen sich durch die Tiefen ihrer Seele, laufen von einem Therapeuten zum Nächsten, weil sie denken, dass sie krank sind und kommen trotzdem nicht näher an das heran, was sie eigentlich suchen. Sie stecken ihre ganze Energie in die Suche nach sich selbst und laufen irgendwelchen Vorstellungen hinter her, wer sie eventuell sein könnten. Zu finden, wer sie wirklich sind, scheint das Schwerste überhaupt zu sein. Solche Menschen üben Berufe aus, die überhaupt nicht ihrer Natur entsprechen, ihre Beziehungen funktionieren nicht und sie fühlen sich fremd auf diesem Planeten und in ihrem Körper. Ich war auch so ein Mensch.

 

Wenn man sich dermaßen in den eigenen Tiefen verirrt hat und nicht mehr herausfindet, dann verliert man irgendwann die Erinnerung an die Schönheit des Lebens. Dieser Zustand kann zu schweren psychischen Störungen oder sogar zum Suizid führen. 

 

Eine Identitätsstörung liegt vor, wenn man sich in seiner eigenen inneren Landschaft verlaufen hat.

 

Der Samen für die Probleme mit der eigenen Identität, wird bereits in der Kindheit gepflanzt. Die Eltern haben schon dem Kind vorgegeben, was es sein soll, wie es sein soll und was es zu können hat. Das sind dann Kinder von Eltern, die von vorneherein bestimmen, dass ihr Sohn zum Beispiel einmal Anwalt werden soll. Oder Eltern, die sich ein bestimmtes Geschlecht gewünscht haben und das (unbewusst) dem Kind immer wieder zeigen. Die Eltern haben eine bestimmte Vorstellung davon, wie das Kind zu sein hat und was aus dem Kind werden soll. Es konnte sich nicht selbst entdecken und durfte Teile von sich nicht leben, sondern musste sich den Vorstellungen der Eltern entsprechend verhalten. Manche Anteile mussten vollkommen unterdrückt werden. Das Kind musste zum Beispiel immer brav sein, oder durfte nicht sportlich sein, weil die Eltern sich zu sehr gesorgt haben. Dieser Vorgang kann auch vollkommen unbewusst stattfinden. Die Mutter ist zum Beispiel (unbewusst) eifersüchtig auf die wunderschöne Tochter und das Mädchen darf deshalb nicht schön sein. Ein anderes Beispiel ist, dass ein Kind von den Eltern schlecht behandelt, vielleicht sogar geschlagen wurde, aber auf die Eltern nicht wütend sein konnte, weil es sonst noch schlechter behandelt worden wäre. Die Verdrängung von Persönlichkeitsanteilen und Emotionen kann traumatische Folgen haben. Das Kind lehnt bestimmte Anteile von sich irgendwann aus Selbstschutz ab und verdrängt sie. Hierbei können undurchdringbare Mauern im Inneren entstehen, die uns später auf unserer Selbstsuche die Sicht versperren.

 

Diese unterdrückten Persönlichkeitsanteile oder Emotionen können dann im späteren Leben auch nicht, oder nur mit großen Schuldgefühlen, ausgelebt werden. Durch dir permanente Verdrängung bestimmter Anteile von uns fühlen wir uns irgendwann innerlich zerrissen. Wir wissen nicht mehr was los ist mit uns oder wer wir sind. 

 

Es gibt Probleme, die kann man nicht mit dem Verstand lösen. 

Die große Verwirrung entsteht, weil wir hauptsächlich mit unserem Verstand nach uns selbst suchen. Die tiefgreifenden und verdrängten Erlegnisse, sind aber mit den Gedanken oft nicht erreichbar. Weil sie eben so stark verdrängt werden, und/oder weil sie zu lange zurück liegen. Prägende Erfahrungen können bereits im Mutterbauch oder als Baby stattgefunden haben. Wie soll man diese mit dem Kopf aufspüren und verarbeiten können?

 

So lange Du Dich mit Deinem Verstand suchst, wird es Dir niemals möglich sein, Dich ganz zu finden.

 

Jede Erfahrung hat sich als Empfindung in deine Zellen abgespeichert.

 

Finden = Empfinden

Dich selbst zu finden, bedeutet Dich selbst zu empfinden. Und zwar alles von Dir. In Deinem Inneren kannst Du auf angenehme oder unangenehme Empfindungen treffen. Wenn Du Dich selbst nicht findest, läufst Du vor dem weg, was Dir in Dir selbst Angst macht und was Du auf gar keinen Fall spüren möchtest: Emotionen, die Du als Kind nicht ausleben durftest und/oder die Empfindungen Deiner alten, verdrängten negativen Erlebnisse. Du verdrängst diese alten Gefühle in Dir, neue Erlebnisse im Außen verursachen genau diese Gefühle, die Du wieder verdrängst. Du kannst Dir vorstellen, was dann irgendwann passiert. Du sitzt irgendwann auf einem Pulverfass von angestauter Energie (Emotionen sind Energie). Es geht Dir immer schlechter, Du wirst immer labiler, Deine Frustration über Deinen Zustand wird immer größer und Du entfernst Dich immer weiter von dir selbst. Und Du versuchst immer noch Dein Problem mit dem Verstand zu lösen. Genau das ist der Grund, weshalb Du nicht weißt, wer Du bist. Weil Du Deine ganze Energie in eine Suche steckst, bei der Du "die Augen", Dein Gefühl verschließt.

 

Um Dich selbst zu finden, ist es notwendig wieder mehr ins körperliche Spüren zu kommen. Bester Wegweiser zu Dir selbst ist Dein Körper mit seinen Emotionen. Wenn Du in dem oben beschriebenen Kreislauf feststeckst, dann kann ich Dir nur empfehlen eine Körpertherapie, oder andere Methoden, die über deinen Körper Deine Emotionen ansprechen, auszuprobieren. Dies können Massagen oder zum Beispiel auch Kampfsport sein. Irgendetwas, wo Du Deine ganze verdrängte und angestaute Energie rauslassen und abbauen kannst.

 

Du kannst im Außen nur Deinem Inneren Begegnen. Du kannst im Außen nur das Wahrnehmen, was in Dir selbst vor sich geht. 

 

Die anderen helfen Dir dabei, Deine verdrängten Empfindungen zu erkennen.

Unsere abgelehnten und verdrängten Empfindungen, sind die Schattenanteile unserer Persönlichkeit. Wobei Schatten nicht für etwas Negatives steht. Schönheit, Freude und Kreativität können genauso abgelehnt werden, wie Wut, Hass und Neid. Wenn wir gewisse Anteile ins uns immer weiter verdrängen, dann werden sie uns im Außen immer heftiger entgegen geschleudert. Diesen Vorgang nennt man Projektion. Man kann sich diesen Prozess wie bei einem Diaprojektor vorstellen. Das Dia an sich ist klein. Die Projektion davon jedoch ist riesig. In uns verdrängte Anteile präsentiert uns das Leben irgendwann überdimensional im Außen, damit wir endlich anfangen hinzugucken. Wen wundert es da, dass wir im Außen oft immer wieder mit den gleichen Problemen konfrontiert werden. Um sich selbst zu entdecken, braucht man sich im Prinzip nur sein Leben im Außen ganz genau anzugucken. Vor allem die Situationen, die uns unangenehm sind, sollten wir uns ganz genau ansehen. Wenn Du zum Beispiel im Leben mit Gewalt konfrontiert wirst, deutet das meistens auf eine innere verdrängte Aggression hin. Wenn Du auf jemanden neidisch bist, dann deutet das oft darauf hin, dass diese Person etwas lebt, dass Du in Dir verdrängst.

 

Wenn einem klar wird, wie das Innen und Außen funktionieren, dann versteht man, glaube ich, wirklich, wie die Menschen ticken.

 

Selbstfindung ist Selbstannahme

Wenn man seine Schattenseiten einmal in Liebe annehmen kann, bringt man sie damit ans Licht und in diesem Prozess findet man sich selbst. Dann hat die Suche plötzlich ein Ende und man ist in Frieden mit sich und der Welt. Ich habe sehr lange gebraucht bis ich die Schattenanteile in mir annehmen konnte. Durch die Ablehnung dieser Seite, war ich im ewigen Kampf mit mir selbst. Dadurch, dass ich mich irgendwann meiner Angst gestellt habe und vor allem in der Beziehung zu meinem Mann durch sämtliche Schattenanteile durchgegangen bin, konnte ich viele verdrängte Anteile in mir frei lassen und Blockaden auflösen.  

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich viel zu lange damit beschäftigt war über meinen Verstand herauszufinden warum ich bin, wie ich bin. Ich zerlegte die Geschichten meiner Vergangenheit, suhlte mich in meinem Leid und kam mir aber dadurch nicht näher, sondern verwirrte mich damit nur immer mehr. 

 

Seit ich mit der Vergangenheit, mit all meinen Erlebnissen, Menschen und mir selbst Frieden geschlossen habe und nicht mehr in meinem Inneren nach mir suche, sondern im Außen mein Leben und mich selbst erschaffe, bin ich Zuhause. 

 

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.“ (Hermann Hesse) 

 

Unser Körper, unsere Gefühle und Gedanken machen uns als Mensch aus. Alles davon können wir beeinflussen. Es liegt in unserer Entscheidung, wer wir sein möchten. Deshalb sollte die Frage nicht lauten: 'Wer bin ich und warum bin ich?', sondern: 'Wer will ich sein und welchen Sinn kann ich meinem Dasein geben?' Statt die ganze Zeit über sich nachzugrübeln und sich zu fragen: „Warum geht es mit so schlecht? Warum bin ich so einsam? Warum funktionieren meine Beziehungen nicht?" oder die Schuld auf andere zu schieben, sollte man sich lieber die Fragen stellen: "Was mache ich eigentlich, damit es mir gut geht? Was mache ich denn eigentlich, damit ich nicht einsam bin? Wie lebe ich jeden Tag? Was ich kann ich jeden Tag dafür tun, beziehungsfähig zu werden?“

 

Wenn Deine Gedanken immer wieder um Dich selbst kreisen und Du Dir immer wieder die Frage stellst, wer Du bist und was für einen Sinn Dein Leben hat, dann höre mal einen Moment mit dem Suchen auf und erhole Dich ein bisschen von dir selbst. Geh' raus in die Natur, schaue dich um, rieche an den Blumen und spüre die warmen Sonnenstrahlen auf deiner Haut. Schließe Deine Augen, atme tief durch und schließe Frieden mit Dir selbst. Es nützt nichts ewig in der Vergangenheit zu graben. Du brauchst nicht zu wissen, warum Du bist, wie Du bist. Du brauchst die Suche nur loszulassen und Dich und Dein Leben in Liebe anzunehmen und damit anzufangen es Schritt für Schritt so zu gestalten, wie Du es gerne hättest. 

 

Gucke heute Abend einmal in den Sternenhimmel und werde Dir bewusst, dass Du hier bist in diesem unendlichen Universum. Du bist hier und erfährst, wie es ist zu leben! Ist das nicht ein unglaubliches Wunder und Sinn genug?

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest.

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

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