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Die Borderline Persönlichkeitsstörung

Borderline ist wie eine ewige Suche nach Liebe, ohne sie jemals wirklich zu finden, weil man ständig an den falschen Stellen sucht.

  

Da ich vor Kurzem bezüglich der Borderline Persönlichkeitsstörung um Rat gefragt worden bin, möchte ich mich heute einmal ganz dem Thema emotional instabile Persönlichkeitsstörung widmen.

 

Im November 2012 bekam ich unter anderem die Diagnose „Akzentuierung von Persönlichkeitszügen vom emotional instabilen Typ“. Wenn ich heute, fünfeinhalb Jahre später, noch einmal den Test machen würde, bin ich mir sicher, dass es diese Diagnose nicht mehr geben würde. Es erstaunt mich gerade selbst, dass der Test erst gut fünf Jahre zurück liegt. Fünf Jahre klingt vielleicht im ersten Moment nach einer langen Zeit, aber wenn ich mir vorstelle, in was für einem Zustand ich mich vor fünf Jahren, und vor allem über viele Jahre davor, und zwar genau genommen etwa 15 Jahre befand, dann finde ich es unglaublich, was man in fünf Jahren alles erreichen kann. Wow, ich bin gerade ziemlich stolz auf mich. Und das kannst Du auch sein, wenn Du bereit dazu bist. Denn Du hast es selbst in der Hand, wie Du sein möchtest.

 

In fünf Jahren zur Heilung!

 

Ich versuche jetzt einmal gedanklich zu dem Tag zurück zu gehen, an dem ich die Diagnose bekommen habe. Ich war damals tatsächlich erleichtert, weil ich endlich wusste, was der Grund dafür war, dass ich so war, wie ich eben damals war. Der große Vorteil von Diagnosen ist, dass man sich schlau machen kann. Dank dem Internet, ist es so einfach, Informationen zu sammeln und Experte für seine Krankheit zu werden. Genau das habe ich anfangs auch gemacht. Der große Nachteil von Diagnosen ist, dass man sich zu hundert Prozent auf die Störung fokussiert. Mein Gehirn war irgendwann voll mit negativen Informationen und in mir haben sich zu dem Zeitpunkt Sätze eingespeichert, wie: „Oh mein Gott, ich habe eine Störung! Ich werde mein Leben lang darunter leiden. Ich bin dazu verdammt, keine richtige Beziehung führen zu können.“ Ich habe mich total verrückt gemacht und überhaupt nicht an Heilung gedacht. Als ich später in Therapie gegangen bin, hat mir meine damalige Therapeutin am ersten Tag der Sitzung gesagt, dass sie kein Freund von Diagnosen sei. Heute verstehe ich erst, was sie damit gemeint hat.

  

Du hast die Diagnose? Okay. Nimm es an, mach Dich schlau, damit Du weißt, worum es geht und dann lasse den Gedanken an Deine Krankheit wieder los und konzentriere Dich voll auf Deine Heilung. Davon hast Du wesentlich mehr, als ewig mit Deinen Gedanken um die Krankheit zu kreisen. Mit Deinen Gedanken bei der Krankheit zu bleiben, bringt Dir überhaupt nichts, außer Energieverlust. Doch diese Energie brauchst Du, wenn Du Dich gesund machen möchtest.

  

Gedanken an die Störung verursachen mehr Störung. Gedanken an die Gesundheit helfen Dir dabei gesund zu werden. Das ist das Gesetz der Anziehung.

  

Wir lernen in der Schule, wo und wann welche Kriege stattgefunden haben, aber nicht, was Gefühle eigentlich sind und wie wir richtig damit umgehen können, wie wir uns selbst wahrhaftig lieben können, wie Beziehung funktioniert und wie eine friedliche Kommunikation funktioniert. Dieses fehlende Wissen ist meiner Meinung nach, für bestimmte Typen von Menschen, der Hauptauslöser für eine Borderline Störung und vielleicht auch für viele andere Störungen. Die Grundursache hinter dem Auslöser ist meiner Meinung nach, dass wir wahrscheinlich als Kind nicht die Liebe und Zuneigung erfahren haben, die wir gebraucht hätten, um zu einem stabilen Menschen voller Vertrauen heranzuwachsen. Denn das fehlende Urvertrauen, die Sehnsucht und Suche nach Liebe, der empfundene Mangel an Liebe, ist wohl das Hauptthema eines Menschen mit Borderline Störung. Deine Eltern können Dich in ihren Augen mit Liebe überschüttet haben. Das spielt keine Rolle. Entscheidend ist, was in Deiner Wahrnehmung von der Liebe bei Dir angekommen ist.

 

Außerdem werden wir darauf getrimmt, immer mehr zu leisten und jede Minute unseres Tages mit „sinnvollen“ Dingen zu füllen. Was wir dabei vergessen, ist uns selbst. Wir vergessen, uns mit uns selbst zu verbinden und einfach nur zu sein. Mit uns zu sein. Jede Minute, die nicht ausgefüllt ist, empfinden wir als langweilig. Womit wir die wichtigsten Lernquellen zusammen haben: Urvertrauen, Selbstliebe und Liebe im Allgemeinen, Gefühle, Beziehung, Kommunikation und ganz wichtig: wahre Selbstfokussierung.

 

Seit ich mich mit diesen Themen beschäftige und mein angeeignetes Wissen in die Praxis umsetze, hat sich mein Zustand immer mehr verändert. Heute spüre ich von meiner Störung nur noch sehr selten etwas. Wobei es sich dabei wahrscheinlich um ganz normale Zustände handelt, die halt einfach unangenehm sind. Nicht jedes unangenehme Gefühl ist gleich gestört.

 

Wie kannst Du also vorgehen?

An erster Stelle stand damals für mich, zu lernen, mich zu entspannen. Ich war über Jahre hinweg permanent angespannt und bin innerlich und äußerlich überhaupt nicht zur Ruhe gekommen. Meine „Entspannung“ bestand aus Auspower-Sport, weil ich nicht wusste, wie ich anders den Druck in mir loswerden sollte. Ich denke, dass wir, um diesen inneren Druck abzubauen, der typisch für eine Borderline-Störung ist, im Laufe der Zeit irgendwelche Strategien entwickeln. Die bringen uns zwar kurzfristig schnell Erlösung, schaden uns jedoch langfristig. Neben einer Borderline-Störung stehen deshalb immer auch andere Störungen, wie zum Beispiel übermäßiger Alkohol-, Nikotin- oder Drogenkonsum, eine Essstörung oder eine Angststörung. Das selbstverletzende Verhalten, im Geschwindigkeitsrausch durch die Straßen zu heizen, oder auch exzessives Partyleben oder schneller Sex dient hintergründig, bei Menschen mit einer emotional instabilen Störung, meistens nur dem Druckabbau oder als Tool gegen Einsamkeit. Und genau hier würde ich als erstes ansetzen. Lass die Dinge, von denen Du zuerst glaubst, sie helfen Dir, durch die es Dir aber auch nicht besser geht, sondern meistens sogar schlechter, komplett bleiben.

 

Suche Dir stattdessen,

1.) eine kreative Tätigkeit, über die sich Deine Seele Ausdruck verschaffen kann und die Deine Energien in die richtigen Bahnen leitet. Dies kann etwas Künstlerisches sein, wie z.B. Malen, Musizieren oder Handwerken. Oder auch eine Sportart, die Körper und Geist trainiert, wie zum Beispiel Tanzen oder eine Kampfsportart (z.B. Taekwondo oder Kung Fu). Ich selbst schreibe zum Beispiel diesen Blog. Es sollte irgendetwas sein, dass Dich erfüllt und dass Du immer auch spontan für Dich selbst machen kannst, ohne an einen Termin gebunden zu sein.

 

2.) Suche Dir eine Entspannungsmethode, die Dir zusagt und praktiziere sie täglich. Fange zum Beispiel mit zehn Minuten täglich an. Mir haben langfristig Yoga, Atemübungen und Meditation sehr geholfen. Ich weiß, dass klingt für den einen oder anderen erst einmal unglaublich langweilig. Ich erinnere mich noch, dass ich früher, wenn ich etwas von Yoga oder Meditation gehört habe, immer sofort gedacht habe: Das ist doch voll langweilig! Bei mir musste es immer etwas mit Auspowern zu tun haben. Doch heute bin ich unendlich froh, dass ich trotzdem diesen Weg gegangen bin. Die Kombination Yoga, Atemübungen und Meditation haben mir dabei geholfen, in mir Stabilität und Gelassenheit aufzubauen. Und Yoga ist übrigens alles andere als langweilig.

 

Diese beiden Werkzeuge solltest Du immer anstelle der Ersatzbefriedigung, die Dir schadet, einsetzen. Übernimm die Verantwortung für Dich und Dein Leben. Entscheide selbst, was Dir wichtiger ist - kurzfristige Befriedigung oder langfristiger wahrer Frieden in Dir.

 

Damals, als ich die Diagnose erhalten habe, habe ich zusätzlich auch die Diagnose einer Dysthymie bekommen. Das heißt, ich befand mich schon seit mehreren Jahren immer wieder in Depressiven Episoden. Deshalb war für mich der erste Schritt zur Heilung, ein Klinikaufenthalt. Denn hier war für mich die Möglichkeit gegeben, mich zu erholen. Dieser Schritt war so enorm wichtig für mich, weil ich durch den permanenten Druck in mir, durch den vielen Sport und die Magersucht, komplett erschöpft war. Ich wäre gar nicht fähig gewesen, neben dem Alltag mit einer ambulanten Therapie zu beginnen. Wenn es Dir auch so geht und es Dir irgendwie möglich ist, eine Auszeit zu nehmen, dann wäre das auf jeden Fall wichtig für Deinen weiteren Weg in ein gesundes Leben. Außerdem würde ich Dir raten, Dir professionelle Hilfe zu suchen.

  

Hinzu kam, dass ich mich damals glücklicherweise in keiner Beziehung befand. Während einer Beziehung wäre es mir damals nicht möglich gewesen, mich auf mich selbst zu konzentrieren, weil ich gedanklich zu sehr auf meinen Partner fixiert war. Wenn Du auch alleine bist, oder vielleicht sogar gerade eine Trennung durchmachst, kann ich Dir nur raten, dies als Chance zu sehen. Damals empfand ich meine Einsamkeit zwar als ganz fürchterlich, doch heute erkenne ich, dass es das Beste war, was mir passieren konnte. Mit einem Partner an meiner Seite wäre es mir niemals möglich gewesen, so intensiv an mir zu arbeiten.

 

Der nächste Schritt war für mich, zu erkennen, dass ich, wenn ich gesund werden will, endlich für mich und mein Leben die Verantwortung übernehmen muss. Bevor ich in die Klinik gegangen bin, habe ich mich leider viel zu lange auf das Leid konzentriert. Jeder war Schuld an meinem Zustand. Meine verständnislosen Beziehungspartner, meine Eltern, die sich in meinen Augen nicht um mich kümmerten, und dann die Krankheit. Schuld war überhaupt ein riesengroßes Thema für mich. Ständig fühlte ich mich wegen irgendetwas schuldig. Ich war labil, extrem verletzt und niemand verstand mich. Meine Einstellung war, dass das Leben Leid bedeutet, dass die Menschen egoistisch sind, dass es für mich keine Liebe gibt und dass ich nicht beziehungsfähig bin. Kein Wunder, dass mir das Leben genau diese innere Einstellung immer und immer wieder bestätigt hat. Solange Du Dich an Deinem Leid festhältst und in der Opferrolle festhängst, wird es für Dich keine Heilung geben. Lass die Vergangenheit, Vergangenheit sein und entscheide Dich heute dafür, ganz alleine die Verantwortung für Dein Leben und Deinen Zustand zu übernehmen.

  

Du wurdest nicht mit der Störung geboren. Die Störung hat sich im Laufe deines Lebens aus verschiedenen Gründen gebildet. Was genau die Gründe dafür sind, ist meiner Meinung nach, gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Du es selbst in der Hand hast, die Störung wieder zurückzubilden. Borderline ist kein Fluch. Borderline ist eine Aufgabe, an der Du wachsen kannst. Es hat einen Grund, warum genau Du diese Störung hast. Das Leben möchte Dir damit etwas sagen.

 

Lerne, was eine Beziehung wirklich ausmacht und lerne, Dich selbst zu lieben.

Früher musste es mit meinem Partner immer die absolute Seelenverschmelzung sein. Es gab nur: „Er liebt mich unendlich oder er hasst mich.“ Dazwischen gab es nichts. Ein kleiner Streit und ich zweifelte an der ganzen Beziehung. Doch so funktioniert Beziehung nicht. Über meine besten Beziehungstipps habe ich schon einmal einen Artikel geschrieben. Doch speziell für Menschen mit einer Borderlinestörung sind diese Tipps zu wenig. Du hast Beziehungsprobleme? Was tust Du dagegen, außer Dich schlecht zu fühlen? Du solltest Beziehung zu einer lebenslangen Lernaufgabe machen und ein Beziehungsexperte werden. Fang damit an, zu lernen, wie Beziehung funktioniert. Als erster Schritt hat mir hier das Buch „Liebe Dich selbst und es ist egal, wen Du heiratest.“ unglaublich geholfen. (Unten findest Du den Link dazu.) In dem Buch geht es unter anderem auch viel über Selbstliebe. So lange Du Dich nicht selbst liebst, wird es schwierig werden, eine erfüllte Partnerschaft zu erleben.

 

Die Liebe kommt nicht über einen andern Menschen zu Dir. Die Liebe ist in Dir, hinter der Angst und hinter der Verletzung. Statt darauf zu hoffen, dass Dich ein anderer Mensch liebt, solltest Du in Dir selbst die Liebe erwecken und in die Welt bringen.

 

Je mehr Du damit anfängst, Dich selbst liebevoll zu behandeln, an Dir zu arbeiten, bewusst und achtsam zu sein, desto häufiger wird sich die Liebe in Dir zeigen. Du wirst sie in Dir spüren und Dich plötzlich auch von anderen Menschen geliebt fühlen.

  

Lerne, wie gewaltfreie Kommunikation funktioniert.

Früher war meine falsche Ausdrucksweise oft mit Schuld daran, dass eigentlich kleine Streitigkeiten eskaliert sind. Das Hörbuch "Gewaltfreie Kommunikation" von Marshall B. Rosenberg hat mir hier extrem weiter geholfen. (Unten findest du den Link dazu.)

 

Lerne, Deine Gefühle kennen, akzeptieren und richtig damit umzugehen.

Gefühle sind meiner Meinung nach das größte Lern- und Wachstumsthema überhaupt. Früher habe ich meine Gefühle gehasst. Heute empfinde ich sie als Geschenk. Meine Gefühle zu verstehen und anzunehmen war mit der wichtigste Schritt für ein Leben in Frieden mit mir. Hierbei hat mir die Körpertherapie in der Klinik wahnsinnig geholfen. Später habe ich über meine persönliche und spirituelle Weiterentwicklung erfahren, was Gefühle eigentlich genau sind und wie sie funktionieren. 

 

Ganz wichtig für die Heilung war auch das Thema Achtsamkeit und an erster Stelle natürlich Bewusstsein. Denn wenn man sich nicht darüber bewusst ist, dass man sich selbst heilen kann, dann wird man auch nichts dafür tun. Dir bewusst darüber zu sein, was alles für Dich möglich ist, ist die Grundvoraussetzung für alles was darauf folgt. 

 

Hab Geduld mit Dir und bleib dran. Du wirst die Veränderung in Dir nicht gleich merken, wenn Du heute damit beginnst, an Dir und Deinem Zustand zu arbeiten. Rückschläge werden kommen. Und die Rückschläge werden Dich denken lassen, dass das alles doch sowieso nichts bringt. Gerade weil Borderliner nur schwarz und weiß sehen können, brechen sie Therapien oft ab, weil sie denken, dass das alles keinen Sinn hat. Hier zählt ganz klar Deine Willensstärke. Bleib dran, auch wenn Du momentan noch nicht wirklich einen Erfolg hast und auch wenn Rückschläge kommen. Wenn Du trotzdem immer weiter übst, und in einem halben oder in einem Jahr zurückblickst, dann wirst Du Deinen Fortschritt erkennen.

 

Puuh, das war jetzt ziemlich viel Text, auch ein bisschen durcheinander und ich könnte irgendwie noch weiter schreiben. Das Thema ist so umfangreich, dass es schwierig ist, in einem Artikel auf alles einzugehen.

 

Schreibe mir gerne in die Kommentare, wenn Du etwas vermisst oder wenn es bei Dir andere Probleme gibt, die ich nicht angesprochen habe.

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest. 

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

P. S. Hier sind die Links zu den Medien, die mir sehr geholfen haben:

Filmtipp:

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