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Gedanken sind manchmal wie wilde Pferde

„Emily runzelte die Stirn. „Meine Gedanken sind manchmal wie wilde Pferde. Dann kann ich sie nicht aufhalten.“

 

„Was würdest du machen, wenn du wirklich Pferde hättest?“ erwiderte Vadanti. „Sicher – du könntest sie in eine Koppel sperren und aufpassen, dass sie nicht entwischen. Aber gibt es noch etwas anderes, das du tun könntest, damit sie freiwillig bleiben?“

 

Emily überlegte. Sie liebte Pferde. „Ich denke, ich würde dafür sorgen, dass sie sich bei mir wohl fühlen. Ich würde jedes einzelne Pferd streicheln und mit ihm sprechen.“

 

„Warum versuchst du das nicht auch mit deinen unruhigen Gedanken?“, fragte Vadanti.

 

Emily schob die Unterlippe nach vorne und versuchte, sich das vorzustellen. „Aber Gedanken kann man doch nicht streicheln und mit ihnen sprechen, oder?“

 

„Hast du es denn jemals probiert?“

 

„Nein“, gab Emily zu. „Ich wüsste auch gar nicht wie. Gedanken sind ja nicht da... also ich meine – sie sind zumindest nichts, was ich anfassen kann.“

 

„Pferde aus Fleisch und Blut kannst du mit Händen aus Fleisch und Blut berühren. Und Gedanken?“

 

„...kann ich mit Gedanken berühren?“ Emily hatte das Gefühl, etwas Wichtiges entdeckt zu haben.

 

 (Aus "Die Bucht am Rande der Zeit" von Aljoscha Long und Ronald Schweppe)

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