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Depressionen

Wann ist es eigentlich eine Depression?

Depressive Verstimmungen gehören zum Leben dazu. Doch sie sind zeitlich begrenzt und wir sind trotzdem in der Lage unsere täglichen Aufgaben zu erledigen. Trauern ist wichtig und erfüllt die Funktion zur Überwindung eines schmerzhaften Abschieds. Doch eine normale Trauerphase bleibt nicht über längere Zeit konstant schwer oder wird sogar noch schlimmer. Sie wird im Laufe der Zeit leichter und die Fähigkeit Momente positiver Emotionen zu empfinden oder in bestimmten Aktivitäten Trost zu finden, bleibt erhalten. 

  

Die Diagnose einer "depressiven Episode“ wird dann gestellt, wenn leichte bis schwere depressive Symptome mindestens zwei Wochen anhalten und zu einer deutlichen Lebenseinschränkung führen. Man ist aufgrund der Stimmung nicht mehr in der Lage, seine alltäglichen Anforderungen zu bewältigen.

 

Bei einer Dysthymie kommt es zu leichteren depressiven Symptomen, die allerdings über mindestens 2 Jahre die meisten Tage zu einer deutlichen Lebenseinschränkung führen. 

 

Es gibt noch weitere Diagnostische Einteilungen von Depressionen, auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte.

 

Symptome

Die Welt wird grau erlebt. Bereits wenn man in der Früh aufwacht, ist die Stimmung gedrückt. Man fühlt sich niedergeschlagen, kraftlos und ohne jede Freude. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Unentschlossenheit, innere Unruhe, geringes Selbstbewusstsein, übertriebenen Schuldgefühle, Angst, häufige Gedanken über den Tod und darüber sein Leben zu beenden, sind weitere Symptome. Der Mensch verliert die Lust an Aktivitäten und Gesellschaft. Körperlich kommt es häufig zu Kopf- und Rückenschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. 

 

Es gibt immer eine Ursache

Meist führt ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren zu Depressionen.

 

Häufig ist der Auslöser einer depressiven Episode dann eine zusätzliche belastende Situation, wie z.B. der Verlust eines Menschen durch Tod oder Trennung. Auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit, die viele Jahre verdrängt wurden, können im Laufe des Lebens schleichend hoch kommen und eine Depression auslösen. Längere Zeiten der Einsamkeit können ebenfalls ein Auslöser für Depressionen sein. Dauerstress und permanenter Druck im Beruf, Angst davor, den Arbeitsplatz zu verlieren, die Belastung durch permanente und zu viele Überstunden, andauernder Konkurrenzkampf können ebenso zu Depressionen führen. Auch schwere Krankheiten können eine Depression begünstigen.

 

Genetische Faktoren können ebenfalls ein Rolle spielen. Bei Betroffen wird oftmals ein veränderter Haushalt von Neurotransmittern (Botenstoffen) festgestellt. Wenn dies der Fall ist, gibt es aber auch hier trotzdem immer noch eine zusätzliche Ursache. Eine Anlage für Depressionen steckt nicht einfach grundlos in den Genen. In der Familiengeschichte ist vielleicht irgendetwas passiert, das nicht verarbeitet wurde und von Generation zu Generation weiter gegeben wird. So lange bis es jemand schafft das alte Leiden aufzulösen. Niemand muss sein ganzes Leben lang mit Depressionen leben, nur weil er die Veranlagung dazu hat. 

 

Zudem können psychosoziale Faktoren für den Ausbruch einer Depression verantwortlich sein. Erfahrungswerte haben gezeigt, dass einsame Menschen, hochsensible Menschen, Menschen mit überhöhten Erwartungen an sich selbst, Menschen mit nicht bearbeiteten Persönlichkeitsstörungen häufiger erkranken, als andere.

  

Das Wetter ist ebenso nicht zu unterschätzen. Trübe, verregnete und dunkle Tage, der Lichtmangel im Herbst und Winter können zusätzlich auf die Stimmung drücken.

  

Schlicht und einfach: Depressionen können jeden treffen. Doch es gibt auch für jeden Wege, um wieder gesund zu werden!

  

Medikamente gegen Depressionen

Medikamente sind kurzfristig eine Lösung, doch eine Behandlung allein mit Medikamenten kann wirkungslos bleiben, wenn die eigentlichen Ursachen der Depression nicht bearbeitet werden. Grundsätzlich müssen Medikamente richtig eingesetzt und dosiert sein, um überhaupt unterstützend zu wirken. Meist haben Medikamente unangenehme Nebenwirkungen, wie z.B. innere Unruhe, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Übelkeit usw. (Hier geht es zu einem interessanten Artikel über den Placeboeffekt.) Ich persönlich bin der Meinung, dass Medikamente gegen Depressionen ein riesengroßes Geschäft sind und die langfristige Einnahme von Antidepressiva viel mehr Schaden als Nutzen bringen. (Hier geht es zu einem Artikel über Antidepressiva.)

 

Die Ursachenbekämpfung ist das Wichtigste um sich langfristig aus der Depression zu befreien. Eine Therapie mit Hilfe eines guten Psychotherapeuten ist meist der erste, richtige Schritt auf dem Weg zurück ins Leben. Bei einer besonders schweren Depression ist eine stationäre Therapie in einer Klinik oft unumgänglich, denn oft schafft man es nur richtig sich intensiv mit sich selbst zu beschäftigen, wenn man eine Zeit lang weg von der Welt und ihren Ablenkungen ist.

 

Hilfe zur Selbsthilfe

Jeder kann seine Selbstheilungskräfte stärken und so die Auswirkungen der Depression mildern. Auch nach einem Klinikaufenthalt oder einer Therapie ist es wichtig, das Gelernte weiterhin umzusetzen und dauerhaft an sich zu arbeiten, um nicht wieder ins alte Fahrwasser zurückzufallen. Ich denke, genau diese Bewusstheit zu haben, macht den Unterschied aus, ob man sich langfristig aus der Depression befreien kann oder einen Rückschlag nach dem anderen erleben wird. Vor allem, wenn es besser geht, neigt man dazu, sein Leben wieder genau so zu leben und all das zu tun, wie man es von Früher gewohnt ist. Genau an diesen Tagen sollte man konsequent bleiben und die guten Zeiten nutzen um das Gelernte zu festigen.

  

Meine wichtigsten Regeln gegen die Depressionen:

  • Lerne Dich selbst immer besser kennen und verstehen.
  • Arbeite immer an Dir und Deiner Selbstliebe.
  • Höre niemals auf zu üben und Dich persönlich weiterzuentwickeln. 

Mein Plan, um einer erneuten depressiven Episode entgegenzuwirken:

  • Körperliche Aktivität mindestens zwei mal die Woche, in Form von einer Sportart, die Dir Spaß macht.
  • Licht und frische Luft in Form von täglichen Spaziergängen (mindestens eine halbe Stunde).
  • Eine gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil. 
  • Lerne Deine Gefühlswelt zu verstehen. Lerne es, Deine Gefühle zu bemerken und zuzulassen. Hierbei hilft Dir z.B. ein Gefühlstagebuch zu schreiben.
  • Treffe keine unüberlegten Entscheidungen in einer Hoch- oder Tiefphase.
  • Teile Dich anderen mit, rede darüber.
  • Lerne Dich zu entspannen. Probiere Entspannungsmethoden aus und praktiziere diese regelmäßig.
  • Tu Dir selbst regelmäßig etwas Gutes. Überlege Dir, was Dir als Kind schon gut getan hat. Schreibe Dir am Besten eine Liste mit allen Dingen, die Dir vor der Krankheit gut getan haben und setze sie in die Tat um.

Dieser Plan gehört einfach zu meinem Leben dazu. Vor allem wenn ich spüre, dass eine graue Welle naht, dann bemühe ich mich hier besonders konsequent zu sein. Auch wenn mir die Dinge auf meinem Plan keinen Spaß machen, mich sehr anstrengen und ich mich zwingen muss, die Liste „abzuarbeiten", halte ich mich trotzdem daran. Hierzu gehört sehr viel Disziplin, doch ich weiß genau, wenn ich mich dem Sog hingebe, werde ich immer weiter nach unten gezogen und mit dem Plan gelingt es mir dies aufzuhalten und am nächsten Tag geht es mir meistens schon wieder besser.

  

Zusätzlich zu dem Tagesplan verbiete ich mir negative Gedanken. Auch das ist wahnsinnig schwierig. Denn Gedanken wie: „Das Leben ist scheiße. Alles ist schlecht. Ich hasse mein Leben. Ich bin so traurig.“ kommen mit der grauen Welle erst einmal ganz automatisch. Doch ich bemerke, dass die Gedanken da sind und erlaube mir nicht mehr, mich darin zu suhlen, wie ich das früher gemacht habe. Ich sage innerlich „Stopp!“ und versuche sofort den negativen Gedanken durch einen anderen, positiven Gedanken zu ersetzen. Auch wenn ich in dem Moment nicht wirklich daran glaube. Ich zwinge mich einfach, den positiven Gedanken in meinem Kopf auszusprechen, oder versuche an gar nichts zu denken und mich ganz auf die Sachen zu konzentrieren, die ich gerade mache. Womit wir wieder beim Thema Achtsamkeit wären. Genauso mache ich es mit einem Gefühl, dass mich nach unten zieht. Ich laufe nicht vor dem Gefühl davon und verstärke es damit nur noch, sondern setze mich hin, mache eine Entspannungsübung und baue das Gefühl damit ab.

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle negativen Gedanken und Gefühle in unseren Zellen abspeichern und es eine Art Waage in uns gibt, auf der einen Seite das Negative, auf der anderen das Positive. Wenn zu viel Negatives angesammelt wurde, dann geht die Stimmungsspirale nach unten. Wenn das Negative überwiegt, werfen uns Kleinigkeiten aus der Bahn. Viel Negatives braucht viel Positives um die Waage wieder auszugleichen. Aber wenn irgendwann das Positive überwiegt, wird man immer stabiler werden und es muss schon viel passieren, damit die Waage wieder nach unten wandert. 

 

Ich glaube, das ist es woran die meisten scheitern. Das war auch meine größte Schwierigkeit. Sich eben nicht in negative Gedanken und Gefühle zu verlieren, sondern immer und immer wieder gegenzusteuern. Doch das tolle ist, je öfter man es schafft, die negativen Gedanken zu vertreiben, desto seltener kommen sie irgendwann. Je öfter wir uns dem negativen Gefühl stellen und es annehmen, desto schwächer wird es langfristig werden.

  

Hier ist ganz, ganz viel Geduld gefragt. Du kannst Dich nicht jahrelang in negativen Gedanken und Gefühlen verloren haben und mit ein paar Wochen Übung ist die Sache erledigt. Jahrelanges Leid erfordert jahrelange Übung. Aber wie gesagt, der Weg ist das Ziel. Glück ist kein Dauerzustand, sondern Glück sind schöne Momente, die man nicht festhalten kann. Das Leben ist im ständigen Wandel. Ein andauerndes auf und ab. Nur die Auf und Abs müssen nicht mehr so extrem sein, sie können ruhiger werden. 

 

Nun wünsche ich Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest. 

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

Stimmungstagebücher gibt es auch als App. Ich benutze z.B. das

Stimmungstagebuch BETA

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Kommentare: 1
  • #1

    Silviu (Mittwoch, 01 November 2017 10:50)

    Hallo Andrea,
    Toller Beitrag und danke, für das teilen deiner Erfahrungen. Ich litt früher selbst unter schweren Depressionen, die mich fasst in den Tod geführten haben. Ich finde es toll, dass du versuchst durch Selbsthilfe die Depressionen zu bekämpfen. Ich habe mich damals zum Glück auch alleine und durch Geduld, geistige Übung und Transformation davon befreien können.
    Meine Überzeugung ist es sogar, dass man sich von Depressionen nur selbst befreien kann. Erst wenn du dir selbst hilfst kann dir auch jemand anderes helfen.

    Ich werde deinen Blog auf jedenfall weiter verfolgen. Würde mich freuen, wenn du auch bei mir vorbeischaust, da wir ähnliche Themen haben.

    Lg Silviu