Wer willst Du sein?
Wenn ich heute auf meinen Weg der persönlichen und spirituellen Weiterentwicklung zurückblicke, dann gibt es eine Frage, die mich über viele Jahre hinweg immer wieder begleitet hat. Damals hatte ich nicht den Hauch einer Ahnung, welche Auswirkungen sie einmal auf mein Leben haben würde.
Diese Frage lautet:
„Wer willst Du sein?“
Ich weiß noch, wie ich das erste Mal über diese Frage nachdachte. Mein erster Gedanke war: "Einfach ich.“ Ich wollte einfach ich sein. Mehr fiel mir nicht ein. Doch irgendetwas in mir sagte sofort: "Das kann doch nicht alles sein."
Sollte ich nicht mehr sein wollen? Einzigartig, besonders und zu etwas Größerem berufen? Mit einer größeren Vision für mein Leben? Oder sogar einer höheren Mission, die der Welt dient? Jemand, der sein Potenzial entfaltet und in seine volle Kraft kommt?
Also begann ich, Bücher über Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität zu lesen, besuchte Seminare und absolvierte Ausbildungen. Je tiefer ich in diese Welt eintauchte, desto häufiger begegneten mir ähnliche Gedanken. Jeder Mensch habe ein einzigartiges Potenzial. Jeder habe eine besondere Aufgabe. Jeder könne etwas Großes bewirken und der Welt etwas Wertvolles geben.
Diese Gedanken haben mich inspiriert. Sie haben mich wachsen lassen und meinen Blick auf das Leben erweitert. Doch im Laufe der Zeit geschah etwas, das ich damals selbst nicht bemerkte.
Ich begann zu glauben, dass es nicht genügte, einfach ich selbst sein zu wollen.
Vielleicht kennst Du dieses Gefühl auch. Dass das, was sich für Dich ehrlich und stimmig anfühlt, plötzlich nicht mehr groß genug erscheint.
Auf der Suche nach einer Antwort
Mit der Zeit wurde ich Psychologische Beraterin, Spiritueller Coach und Meditationslehrerin. Immer wieder versuchte ich, diese Rollen zu meiner Identität zu machen. Schließlich interessierten mich genau diese Themen. Also erschien es mir nur logisch, genau das auch sein zu wollen. Ich sagte mir immer wieder: „Ich bin Coach.“ So wollte ich ganz in diese Identität eintauchen. Genau so, wie es viele bekannte Persönlichkeiten aus der Welt der Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität beschreiben.
Doch tief in mir war da eine leise Stimme. Sie sagte jedes Mal dasselbe: „Nein, bist Du nicht. Willst Du nicht.“ Lange glaubte ich, diese Stimme sei mein Ego, das sich nicht weiterentwickeln wollte. Der Teil in mir, der Angst hatte und mir selbst im Weg stand.
Heute glaube ich etwas ganz anderes. Vielleicht war sie die einzige Stimme in mir, die die Wahrheit von Anfang an kannte.
Wer glaubst Du sein zu müssen?
Immer wieder redete ich mir ein, dass ich einfach noch nicht so weit war. Ich musste nur noch ein bisschen wachsen, um endlich der Coach zu werden, der ich glaubte sein zu müssen. Ich musste nur noch ein bisschen mutiger werden. Noch ein bisschen selbstbewusster. Noch eine Ausbildung machen. Noch ein Seminar besuchen. Irgendwann würde ich die Frau sein, die ich glaubte sein zu müssen.
Die glasklare Stimme in mir, die nie Coach sein wollte, schob ich sofort zur Seite. Denn ich traute ihr nicht. Ich traute mir nicht. Wenn ich nicht einzigartig und besonders sein will, wenn ich kein außergewöhnlich großes Ziel im Leben habe, dann rede ich mir das doch nur ein, weil die Ängste und Zweifel zu groß sind. Ein einfaches Leben? Einfach ich selbst? Das konnte doch nicht genug sein.
Doch das Leben ließ mich immer wieder spüren, dass ich mich von mir selbst entfernte. Ich konnte irgendwann einfach nicht mehr. Und ich verlor die Lust. An allem. Mein Antrieb und meine Motivation waren wie erloschen. Selbst das Schreiben funktionierte nicht mehr.
Die Erkenntnis, die alles veränderte
Vor einigen Tagen traf mich eine Erkenntnis mit einer Wucht, die ich kaum beschreiben kann. Ich wollte nie Coach sein oder Menschen beraten. Ich wollte noch nicht einmal die Welt retten, so wie ich es mir jahrelang eingeredet hatte. Ich wollte einfach nur schreiben. Das tun, was ganz natürlich aus mir herausfließt. Schon immer.
Ich wollte schreiben, Gedanken sammeln, verstehen und Worte finden für Dinge, die viele Menschen fühlen, aber nur schwer beschreiben können.
Und plötzlich wurde mir klar, dass ich mir genau das all die Jahre nie erlaubt hatte.
Zum ersten Mal hatte ich nicht das Gefühl, kleiner geworden zu sein. Im Gegenteil. Es fühlte sich an, als dürfte etwas in mir, das so lange begrenzt war, endlich frei sein.
Wer erlaubst Du Dir zu sein?
Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir etwas. Ich hatte es mir so lange nicht erlaubt, einfach ich sein zu wollen, weil es mir zu klein erschien.
Jahrelang hatte ich versucht, jemand zu werden. Jemand Besonderes. Einzigartig. Bedeutend. Doch genau dadurch hatte ich den Blick für meine eigentliche Größe verloren.
Heute glaube ich, dass unsere wahre Größe gar nicht dadurch entsteht, dass wir immer mehr werden. Sie zeigt sich in dem Moment, in dem wir aufhören, jemand werden zu müssen. Denn wie sollte unsere wahre Größe sichtbar werden, solange wir glauben, sie erst erschaffen zu müssen?
Wir müssen uns nicht in Rollen zwängen, die uns größer erscheinen lassen. Unsere Größe ist nicht an einen Beruf, eine Aufgabe oder eine besondere Mission gebunden. Sie ist längst da.
Vielleicht besteht persönliches Wachstum deshalb gar nicht darin, immer mehr zu werden. Vielleicht beginnt es genau dort, wo wir den Mut finden, loszulassen, jemand Bestimmtes sein zu müssen.
Fragen zur Selbstreflexion
Vielleicht magst Du einen Moment innehalten und diesen Fragen nachspüren:
- Welche Rollen habe ich im Laufe meines Lebens übernommen, weil ich glaubte, sie erfüllen zu müssen?
- Wann fühle ich mich am meisten wie ich selbst - ganz ohne Anstrengung?
- Welche Wünsche habe ich vielleicht lange klein geredet, weil sie mir nicht außergewöhnlich genug erschienen?
- Wem möchte ich eigentlich genügen?
- Was würde ich tun, wenn ich das Gefühl hätte, schon jetzt genug zu sein?
Meine Erkenntnis über Wachstum
Heute glaube ich nicht mehr, dass unsere wahre Größe darin liegt, jemand werden zu müssen. Vielleicht erkennen wir sie genau in dem Moment, in dem wir aufhören, jemand anderes sein zu müssen.
Vielleicht beginnt unser größtes Wachstum nicht mit der Frage: „Wer willst Du sein?“
Sondern mit einer viel stilleren Frage: „Erlaubst Du Dir, einfach Du zu sein?“
Vielleicht magst Du Deine Gedanken zu diesem Thema hier unter dem Beitrag mit mir teilen. Wie erlebst Du dieses Thema in Deinem Leben? Ich freue mich darauf, von Dir zu lesen.
Die Liebe in mir grüßt die Liebe in Dir.
Deine Andrea 💫

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