Was bedeutet es eigentlich, die eigene Größe zu leben?
"Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind."
- Marianne Williamson -
Vor Kurzem hat der bekannte Text von Marianne Williamson über die Angst vor der eigenen Größe ein weiteres Mal zu mir gefunden. Ich kannte ihn bereits. Und doch fühlte es sich dieses Mal an, als würde er mich auf einer viel tieferen Ebene erreichen.
Vielleicht deshalb, weil ich mich seit einigen Tagen intensiv mit einer Frage beschäftige: Wie fühlt es sich eigentlich an, die eigene Größe wirklich zu leben?
Nicht Größe im Sinne von Erfolg, Anerkennung oder Leistung. Sondern dieses innere Gefühl, seinen Platz einzunehmen und in seinem eigenen Licht zu stehen. Sich nicht länger klein zu machen. Sondern sich selbst mit Würde, Klarheit und Vertrauen durchs Leben zu bewegen.
Die Sehnsucht nach der eigenen Größe
Oh ja. Ich möchte sie leben - meine eigene Größe.
Ich möchte mein Licht leuchten lassen und mit erhobenem Haupt durch die Herausforderungen des Lebens schreiten. Möchte ein Leben führen, das frei ist von blockierenden Rollen, alten Überzeugungen und den Gedanken, die mich klein halten.
Ich möchte mein wahrhaftiges Selbst leben. Ein Selbst, das mir gut tut, mich weit macht, mich erfüllt und aufblühen lässt. Und ich möchte mich selbstbewusst fühlen. Würdevoll. Stabil in meiner Mitte. Klar ausgerichtet. Groß.
Während ich diese Worte schreibe, spüre ich für einen Moment, wie es sich anfühlen könnte, so zu sein. Doch schon im nächsten Augenblick wird mir bewusst, wie weit ich mich in meinem Alltag oft noch davon entfernt fühle.
Warum ich mich im Alltag oft so klein fühle
Viel zu häufig fühle ich genau das Gegenteil. Ich fühle mich klein, unwirksam, sinnentleert und meines eigenen Wertes eher beraubt als erfüllt. Als wäre ich irgendwie falsch.
Genau darin erkenne ich jedoch heute etwas Faszinierendes.
Denn vor ungefähr einer Woche habe ich den Wunsch nach mehr Größe an das Universum geschickt. Und seitdem scheint mir das Leben ununterbrochen zu zeigen, wie oft ich mich selbst eigentlich klein mache. Oder klein machen lasse.
Als hätte das Leben beschlossen, mir einen Spiegel vorzuhalten, damit ich erkenne, wie oft ich selbst dazu beitrage, mich klein zu halten.
Dieses Zurückhalten, Zustimmen, Stillbleiben, Anpassen und bloß nicht auffallen ist mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es kaum noch bemerkt habe. Es ist längst zu einem Teil von mir geworden. Kein Wunder also, dass sich jede Abweichung davon zunächst wie eine existenzielle Bedrohung anfühlt.
Gleichzeitig hat genau dieses Verhalten lange Zeit dafür gesorgt, dass möglichst wenig Unruhe entstand. Ich habe mich angepasst, Harmonie bewahrt und Konflikte vermieden. Doch auf Dauer ließ sich dieser Zustand noch nie wirklich aufrechterhalten.
Irgendwann brach er immer wieder durch - der Teil in mir, der schon längst groß ist.
Vielleicht, weil unsere wahre Größe nicht erst entstehen muss. Sondern schon die ganze Zeit da ist und nur darauf wartet, gelebt zu werden. Egal, wie sehr wir uns auch an unser Kleinsein klammern.
Der Mut, einen anderen Weg zu gehen
Mit dem Wunsch, meine eigene Größe zu leben, begann sich etwas zu verändern. Fast unbemerkt fing ich an, mich anders zu verhalten. Ich habe mich an manchen Stellen nicht mehr automatisch zurückgenommen. Ich habe meiner eigenen Wahrnehmung mehr Raum gegeben und begonnen, für mich einzustehen.
Natürlich blieb das nicht ohne Folgen.
Es fühlte sich an, als hätte ich ein kleines Erdbeben ausgelöst. Denn damit hatte niemand gerechnet.
Doch die eigentliche Veränderung lag nicht in den Reaktionen der anderen. Sie lag in meiner eigenen. Zum ersten Mal habe ich mich von den Stürmen im Außen nicht wieder in mein altes kleines Ich zurückdrängen lassen. Immer wieder habe ich mich mit meiner eigenen Mitte verbunden und mir bewusst gemacht, dass mein Wert und meine Würde nicht davon abhängen, wie andere auf mich reagieren.
Heute, ein paar Tage später, hat sich der Sturm beruhigt. Und tatsächlich fühle ich mich, als wäre ich innerlich ein bisschen größer geworden.
Hat Marianne Williamson genau das gemeint?
Als ich den Text von Marianne Williamson noch einmal las, fragte ich mich, ob genau das die eigentliche Angst vor der eigenen Größe ist. Vielleicht haben wir gar keine Angst davor, groß zu sein. Vielleicht haben wir eher Angst davor, das vertraute Bild von uns selbst loszulassen. Das kleine, vorsichtige und verletzliche Ich.
Das Ich, das gelernt hat, lieber nicht zu sehr aufzufallen.
Vielleicht fürchten wir gar nicht wirklich das Licht. Sondern den Weg dorthin.
Eine Begegnung mit meinem kleinen Ich
Während ich darüber nachdachte, tauchte plötzlich ein Satz in mir auf:
„Du musst keine Angst haben, kleines Ich. Ich lasse Dich nicht alleine. Du darfst mitkommen.“
Dieser Satz hat mich tief berührt. Denn plötzlich musste ich mich gar nicht mehr entscheiden. Zwischen groß und klein. Zwischen stark und schwach. Zwischen Selbstvertrauen und Verletzlichkeit.
Vielleicht geht es gar nicht darum, einen Teil von uns zurückzulassen, sondern darum, alles in uns zu sehen, anzunehmen und mitzunehmen. Auch die Angst, die Unsicherheit und die Verletzlichkeit.
Wahre Größe beginnt vielleicht ganz anders
Ich glaube heute, dass wahre Größe nicht dadurch wächst, dass wir uns ständig antreiben, größer zu werden. Sondern dort, wo wir aufhören, gegen unser kleines Selbst zu kämpfen und es stattdessen liebevoll an die Hand nehmen.
Denn ja. Ich fühle mich oft klein. Ich fühle mich verletzlich. Manchmal auch schwach. Und irgendwie stimmt das sogar. Das Leben ist zerbrechlich. Wir alle sind es.
Genau das macht unser Leben so kostbar.
Und trotzdem schließt das innere Stärke nicht aus. Im Gegenteil. Vielleicht entsteht sie genau dort. Denn worüber sollten wir hinauswachsen, wenn es nichts gäbe, das uns begrenzen würde?
Veränderung wird erst dort spürbar, wo es etwas zu verändern gibt. Wachstum zeigt sich erst dort, wo etwas wachsen kann. Und vielleicht wird auch unsere eigene Größe erst dann erfahrbar, wenn wir den Mut haben, unser Kleinsein wirklich anzuerkennen.
Vielleicht ist das die wahre Bedeutung von Größe
Heute glaube ich nicht mehr, dass Größe bedeutet, keine Angst mehr zu haben. Oder immer selbstbewusst zu sein.
Ich glaube, Größe bedeutet vielmehr, sich selbst vollständig anzunehmen. Mit allem, was da ist. Mit dem Licht und den Schatten. Mit dem mutigen Ich und dem ängstlichen Ich.
Unsere wahre Größe beginnt in dem Moment, in dem wir uns erlauben, ganz wir selbst zu sein. Nicht größer. Nicht kleiner. Einfach wahrhaftig und ehrlich.
Reflexionsfragen
Diese Fragen sind eine Einladung, Deine eigenen Antworten zu finden:
- Wo mache ich mich selbst kleiner, als ich eigentlich bin?
- Was bedeutet wahre Größe für mich persönlich?
- Wie könnte ich meiner eigenen Größe heute ein kleines Stück näherkommen?
- Wie kann ich mein kleines Ich an die Hand nehmen, anstatt gegen es zu kämpfen?
Meine Erkenntnis über wahre Größe
Vielleicht ist die Angst vor der eigenen Größe gar keine Angst vor unserem Licht. Vielleicht ist sie die Angst, den vertrauten Teil in uns zurückzulassen.
Doch was wäre, wenn wir ihn gar nicht zurücklassen müssen? Was wäre, wenn wir ihm einfach die Hand reichen und sagen:
„Du darfst mitkommen, kleines Ich.“
Schreib mir gern hier unter dem Beitrag, welche Erkenntnis Dich am meisten berührt hat oder wo Du selbst gerade dabei bist, in Deine eigene Größe hineinzuwachsen.
Die Liebe in mir grüßt die Liebe in Dir.
Deine Andrea 💫
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