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Bestraft uns Gott?

Bestraft uns Gott? | Meine Gedanken zu den Themen göttliche Liebe, das Konzept von Gut und Böse, Schuld, Bestrafung und Erlösung

In dieser Podcastfolge teile ich meine Gedanken zu den Themen Liebe/Göttlichkeit, das Konzept von Gut und Böse, Schuld, Buße, Bestrafung und Erlösung mit Dir und was meiner Meinung nach Borderline mit all dem zu tun hat. Diese Folge könnte vor allem interessant für Dich sein, wenn Du in Deinem Leben immer wieder das Gefühl hast, vom Leben oder von einer höheren Kraft bestraft zu werden.

 

Du erfährst in dieser Folge u.a.

  • warum es das Gute und Böse nur gibt, weil es Menschen gibt
  • warum Gott uns niemals für unsere Fehler (Sünden) bestrafen würde

  • warum es niemals der Plan war, dass wir für unsere Schuld büßen müssen

  • was es mit der Strafe Gottes wirklich auf sich hat
  • warum Selbstverantwortlich plus Liebe die Lösung für all unsere Probleme ist

  • warum es meiner Meinung nach so viele Menschen, unterbewusst vorziehen zu leiden und sogar Angst davor haben, glücklich zu sein.

Ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Zuhören!

 

Deine Andrea

Fühlst Du Dich vom Leben oder von Gott bestraft?

Wer bestraft eigentlich wirklich? Welcher Teil in uns, ist eigentlich dazu in der Lage, zum einen, Regeln aufzustellen und zum anderen, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden, auch zu bestrafen? Denn: Wo keine Regeln, da auch keine Strafe. Welcher Teil in uns, ist eigentlich dafür verantwortlich, dass wir als Menschen dazu in der Lage sind, diese Regeln aufzustellen und bei nicht Befolgen, jemanden dafür zu maßregeln? Ich würde mal behaupten, die Liebe - diese reine Göttlichkeit - ist es nicht.

Die Liebe

Die Liebe oder auch das Göttliche, was nur ein anderes (teilweise leider sehr negativ behaftetes Wort) für die Liebe ist, ist die große Macht im Universum. Gott ist die Liebe und in allem, was ist. Und Gott, also die Liebe, unterscheidet nicht zwischen gut und böse.

 

Wir können aus Liebe traurig sein, genauso wie wir aus Liebe voller Freude sein können. Wir können aus Liebe wütend und verzweifelt sein, genauso wie wir aus Liebe in Frieden und voller Hoffnung sein können. Wir können aus Liebe misstrauisch und eifersüchtig sein, genauso wie wir aus Liebe voller Vertrauen sein können. Wir können aus Liebe leiden und hassen, genauso wie wir aus Liebe glückselig und mitfühlend sein können.

 

Die Liebe (Gott) würde Dich niemals dafür bestrafen, weil Du Fehler machst, weil Du wütend, traurig, verzweifelt oder voller Hass bist. Die Liebe würde Dich niemals böse nennen, weil Du tust, was Du tust. Denn die Liebe weiß, warum Du tust, was Du tust. Du bist nicht hier, um perfekt zu sein. Du bist nicht hier, um ein Engel zu sein. Du bist hier, um das Leben in all seiner Vielfältigkeit zu erfahren und Deine Aufgabe ist es, immer selbst zu wählen, wer Du als Mensch sein möchtest und gleichzeitig zu akzeptieren, dass Du ein Mensch bist. Und ein Mensch besteht nun einmal aus beiden Seiten. Aus Liebe und Licht und gleichzeitig auch aus der Dunkelheit, dem Unterbewussten, den negativen Erfahrungen, die uns geprägt haben und dem Ego, das überleben möchte. 

 

Es ist nicht die Liebe, die uns bestraft, wenn wir Fehler machen, wenn wir "böse" sind - wenn wir Mensch sind. Aber welcher Teil in uns ist denn dann eigentlich, der bestraft?

Das Ego

Das Ego bestraft nicht. Das Ego möchte einfach nur überleben. Das Ego ist der Anteil, der das Leben auf der Erde so schwer macht, wenn es darum geht, hier in einer zivilisierten Gesellschaft zu leben. Denn in einer Zivilisation geht es eben nicht mehr nur darum, zu überleben, sondern vor allem geht es darum, sich das Leben zu erleichtern. Um eine Zivilisation und ein friedliches Miteinander auf dieser Erde zu ermöglichen, braucht es Regeln und eine gewisse Ordnung. Ohne diese Regeln und diese Ordnung ist ein Leben in einer zivilisierten Gesellschaft nicht möglich. Denn, wenn der Natur freien Lauf gelassen wird, dann ist das Leben so, wie es uns die Natur vorlebt. Der Stärkere gewinnt. Der Schwächere verliert. Vor Kurzem habe ich ein Hörbuch angehört, dass eigentlich ganz gut zu diesem Thema passt: Blackout von Marc Elsberg. Hier wird das Szenarium durchgespielt, was mit den Menschen passiert, wenn der Strom ausfällt. Es dauert tatsächlich nicht einmal eine Woche bis das absolute Chaos ausbrechen würde und es nur noch um das Überleben geht. Und wenn es nur noch um das Überleben geht, dann gibt es keine Zivilisation mehr. Dann übernimmt die Natur die Führung. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass es ein System mit Regeln gibt.

Welcher Teil in uns macht denn nun die Regeln?

Welcher Teil in uns, ist dafür verantwortlich, dass der Mensch Regeln machen, für Ordnung sorgen und auch bestrafen kann? Denn manchmal ist es nötig zu bestrafen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Das Ego ist es nicht. Die Liebe, das Göttliche ist es auch nicht. Astrologisch würde ich sagen, es ist Saturn. Wobei Saturn auch schon zum Göttlichen dazu gehört. Saturn ist der erste Planet von unserem Horoskop, der schon in Richtung Transzendent geht. Aber dieser Teil ist noch nicht die reine Liebe. Was treibt uns innerlich an, dass wir dazu in der Lage sind, in einer Zivilisation zu leben? Es ist auf jeden Fall ein Teil in uns, der uns von den Tieren unterscheidet und menschlich macht. Also muss dieser Teil doch schon in Richtung des Göttlichen gehen.

Gut und Böse

Um Regeln erschaffen zu können, die einem zivilisierten und friedlichen Leben dienen, hat sich der Mensch oder Saturn, eines ganz einfachen Konzeptes bedient, indem er Taten in gut und böse eingeteilt hat. Was letzten Endes gut und böse ist, entscheidet der Mensch in seiner Gesamtheit. Der Anteil in uns, der überleben möchte und auch der göttliche Anteil in uns. Meiner Meinung nach, ist es eine Mischung aus unserem menschlichen Anteil mit der Unterstützung von Saturn, der Gut und Böse festlegt.

 

Der menschliche Anteil, der in der Festlegung von Gut und Böse mitmischt, macht die ganze Sache individuell. Gut und Böse ist nicht für jeden gleich. Meiner Meinung nach spielt es eine ganz große Rolle, was für Lebenserfahrungen man gemacht hat, in diesem Leben, in früheren Leben und in der Ahnenreihe, wie wir persönlich Gut und Böse festlegen.

 

Das Konzept von Gut und Böse entsteht hauptsächlich in der eigenen Familie. Was Gut und Böse ist, erfahren wir schon von klein auf, über unsere Eltern. Unsere Eltern leben uns vor, was in ihren Augen gut und was böse ist. In dieser Zeit werden sozusagen unsere ersten Überzeugungen festgelegt. Weit vor der gesellschaftlichen Norm. Wenn ich zum Beispiel Robin Hood bin, dann empfinde ich es als etwas Gutes, wenn ich den Reichen etwas weg nehme und es den Armen gebe. Wenn man das Ganze gesellschaftlich betrachtet und man beklaut die Reichen und gibt es den Armen, dann ist das Ganze böse. Die Konzepte von Gut und Böse in den Familiensystemen und die der Gesellschaft können sich also stark unterscheiden. Was die Sache nicht unbedingt leichter macht.

 

Für die Liebe, das reine Göttliche, gibt es keine Einteilung mehr in Gut und Böse.

Was es ist

Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.

Es ist was es ist, sagt die Liebe

Es ist Unglück, sagt die Berechnung.

Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.

Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht.

Es ist was es ist, sagt die Liebe.

Es ist lächerlich, sagt der Stolz.

Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.

Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung.

Es ist was es ist, sagt die Liebe.

Erich Fried

Die Liebe nimmt alles wie es ist, die Liebe verurteilt nicht. Die Liebe bestraft nicht. Um das Ganze ein bisschen zu verdeutlichen, möchte ich das Gedicht gerne mit meinen eigenen Worten ein bisschen ergänzen.

Du musst lieb sein.

Du bist schuldig.

Du musst büßen, sagt der Mensch.

Du darfst lernen, sagt Saturn.

Du darfst alles sein, was Du sein möchtest, sagt die Liebe.

 Du darfst jeden Tag neu wählen, wer Du sein möchtest, sagt die Liebe.

Die Liebe verbietet nichts. Die Liebe bestraft nicht. Die Liebe überlässt es uns selbst, wer wir in diesem Leben sein möchten. Das ist unser freier Wille in diesem Dasein. Die Liebe verurteilt Robin Hood nicht, wenn er den Reichen etwas weg nimmt und den Armen gibt. Die Liebe bewertet das Ganze auch nicht, wenn er sich an die gesellschaftlichen Regeln hält.  Der Liebe geht es nicht, um Bewertung, Verurteilung oder Bestrafung, sondern es geht ihr rein um die Lebenserfahrung und die damit verbundenen Emotionen. Unsere Seele möchte die Erfahrungen des Lebens machen und überlässt es uns selbst, was wir aus unserem Leben machen möchten und welchen Weg, wir in unserem Leben gehen möchten. Ob wir den Weg der Liebe, des Friedens, der Freude, Erfüllung und Glückseeligkeit gehen möchte - ob wir den Weg der Heilung gehen möchten - oder, ob wir den Weg des Hasses, der Wut, der Traurigkeit, der Armut und des Leidens gehen möchten. Wir werden immer das in unser Leben ziehen, was wir in uns  Leben.

Saturn = Karma = Das Gesetz von Ursache und Wirkung

Saturn zeigt uns, über unsere eigenen Empfindungen, ob wir den Weg der Liebe oder der Dunkelheit gehen. Das ist die "Strafe Gottes". Es ist in dem Sinn keine wirkliche Strafe, denn wir haben ja die Wahl, wer wir in unserem Leben sein möchten. Aber doch lässt uns Saturn auch spüren, ob wir den Weg der Liebe, oder der Dunkelheit gehen. Denn das, was wir aussenden, kommt auf irgendwelchen Wegen zu uns zurück. Wir werden durch unsere Taten, immer eine Wirkung erzielen, die zu unseren inneren Einstellung, mir der wir die Dinge tun, passt. Diese Wirkung, bewirkt etwas in unserem Leben, was zu dem passt, wie wir in uns eingestellt sind. Das, was wir aussenden, kommt auf irgendwelchen Wegen zu uns zurück.

 

Wenn wir mit einer inneren Einstellung der Liebe, des Friedens, des Mitgefühls, die Dinge tun, dann wird das auch zu uns zurückkommen. Wenn wir die Dinge mit einer inneren Einstellung des Hasses, der Wut, des Neides, der Rache oder auch der Angst tun, dann wird auch das seinen Weg zu uns zurückfinden. Also die Dinge müssen noch nicht einmal mit einer bösen Absicht getan werden, sonders es reicht schon die Angst dahinter. Aber wer tut die Dinge denn schon wirklich mit einer bösen Absicht? Selbst die wirklich bösen Menschen, sind ja in ihrem innersten Kern auch nur verletzte und traumatisierte Kinder.

 

Bei Ursache und Wirkung geht es darum, dass wir etwas mit einer bestimmten Absicht, mit einer bestimmen Emotion tun, und es kommt etwas zu uns zurück, dass dieser Absicht, dieser Emotion entspricht. Und hierbei nützt es überhaupt nichts, wenn wir uns mit unserem Verstand die Dinge schön reden. Dass interessiert Saturn nicht. Ihm geht es um die echte Emotion dahinter und hier lässt er sich auch nicht täuschen. Saturn mag streng wirken, aber er ist gerecht. Das ist Saturn. Das ist Ursache und Wirkung und auch die einzige Aufgabe von Saturn. Mehr macht er nicht, als uns zu zeigen, auf welchem Weg wir uns befinden. Das ist sozusagen seine "Strafe". Mehr nicht.

 

Aber was wir tun und wie wir innerlich eingestellt sind, überlässt uns die Liebe selbst. Das ist unser freier Wille.

Schuld und Büße

Und was haben nun ein paar Menschen damit gemacht, um über andere Menschen Macht auszuüben, um andere klein zu halten, um das Volk ruhig zu stellen? Sie haben aus dem Konzept von Ursache und Wirkung, von diesem Konzept des Lernens, ein Konzept von Schuld und Büße gemacht. Sie haben das Ganze so dargestellt, dass Gott zu uns sagt: Wenn wir böse sind, dann machen wir uns schuldig und müssen für unsere Taten büßen. Und wenn wir nicht für unsere Taten büßen, dann müssen wir in die Hölle. Erst, wenn wir auch lange genug für unsere Schuld gebüßt haben, dann haben wir vielleicht irgendwann die Chance davon erlöst zu werden. Doch möchte die Liebe wirklich, dass wir für unsere Taten büßen, also leiden  müssen? Büßen = Leiden. 

Die Geschichte der Erbsünde

Wir müssen sozusagen lange leiden, um Erlösung erfahren zu können. Und das ist ja auch genau das Bild der Geschichte der Erbsünde aus der Bibel. In dieser Geschichte war es so, dass Eva von dem Baum der Erkenntnis den Apfel abgerissen und davon gekostet hat, obwohl das Gott verboten hatte und sich damit sozusagen schuldig gemacht hat. Alleine das ist ja schon sehr fragwürdig. Es ist doch keine Sünde, Erkenntnis zu erlangen. Wir sind doch hier um Erkenntnis zu erlangen. Aber genau so ist das in der Geschichte dargestellt. Eva nimmt den Apfel vom Baum der Erkenntnis und macht sich damit schuldig und führt Adam auch noch in Versuchung, ebenfalls vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Dies hat Gott so erzürnt, dass er die beiden aus dem Paradies verstoßen hat, um auf dieser Erde für diese Schuld zu büßen. So habe ich diese Geschichte in meiner Erinnerung und vor allem auch in meinem emotionalen Gedächtnis abgespeichert. Und ich glaube, genau so haben das viele Menschen emotional verstanden. Womit der Mensch hier in diesem Leben eigentlich schon von Beginn an die Arschlochkarte gezogen hat. Entschuldige bitte vielmals, wenn ich das so krass ausdrücken muss, aber was hat diese Geschichte denn mit den Menschen gemacht? Sie hat sie zu Schuldigen gemacht, die büßen müssen. Zu Sklaven, die hier auf der Erde büßen und leiden müssen. Die Frauen wurden in dieser Geschichte ja gleich doppelt böse dargestellt. Denn die Frauen repräsentieren in dieser Geschichte im Prinzip sogar das Böse, dass sozusagen die Männer in Versuchung führt, auch etwas Falsches zu tun. Diese Geschichte hat aus den Menschen also nicht nur Büßer gemacht, die leiden müssen, um Erlösung zu erfahren, sondern auch das Männliche und Weibliche gespalten. Denn das Weibliche steht in dieser Geschichte zusätzlich noch als etwas Böses da. Meiner Meinung nach, wurde die Geschichte so dargestellt, um Macht über andere Menschen auszuüben, um andere Menschen zu manipulieren und klein zu halten und ich persönlich sehe nichts Gutes in dieser Geschichte.

Ein Zustand der Schuld macht uns klein und machtlos

Aber jetzt mal ganz unabhängig von dieser Geschichte oder irgendwelchen Religionen. Das Thema Schuld kann ja zum Beispiel auch in zwischenmenschlichen Situationen zum Thema werden. Was geschieht denn, wenn wir uns in einem Zustand der Schuld, des Büßens und des Leidens befinden? Wir bleiben schwach, klein und eingesunken. Wir schleppen die Schuld auf unseren Schultern und das Ganze erdrückt uns. Damit kommen wir nicht in unsere Kraft. Damit werden wir nicht zu den Schöpfern unseres Lebens, sondern funktionieren nur. Damit überlassen wir es anderen Macht über uns auszuüben. Und genau deshalb leiden wir auch so sehr unter diesem Zustand. Wir leiden nicht, weil wir uns schuldig gemacht haben und weil wir büßen müssen.

Was möchte uns das Gefühl der Schuld mitteilen?

Wir leiden, weil uns unser Gefühl die ganze Zeit sagen möchte, dass wir endlich damit aufhören sollen uns schuldig zu fühlen und zu büßen und damit anfangen sollen, Selbstverantwortung für unseren Zustand zu übernehmen. Das Gefühl der Schuld möchte uns mitteilen, dass wir etwas getan haben, was nicht unserem eigenen inneren Wertesystem, oder auch dem Wertesystem der Gesellschaft, entspricht. Ein Gefühl ist immer nur dazu da, um uns etwas mitzuteilen. Wenn wir erkannt haben, was uns unser Gefühl mitteilt, also in diesem Fall erkannt haben, das wir etwas getan haben, was nicht gut war, für uns selbst oder auch für die Gesellschaft, dann ist es unsere Aufgabe aus diesem Fehler zu lernen und es beim nächsten mal anders zu machen. Aber nicht, indem wir büßen und leiden, sondern indem wir uns beim nächsten mal anders verhalten. 

Bist Du unterbewusst ein Büßer?

Ich glaube tatsächlich, dass auch heute in vielen Menschen noch unterbewusst eingespeichert ist, für ihre Sünden büßen zu müssen. Und zwar ganz unabhängig davon, in welche Religion sie direkt hineingeboren worden sind. Denn dieses Thema ist meiner Meinung nach kollektiv so prägend gewesen, dass die Wirkung davon auf jeden Fall auch heute noch stark mitschwingt. Ich glaube, dieses Bild des Büßers haben vor allem auch Borderliner stark in ihrem Unterbewusstsein eingespeichert. Und ich glaube, das größte Problem an diesem Bild, wenn man das in sich eingespeichert hat, und weshalb es auch so schwer ist, sich aus diesem Muster zu befreien, ist, dass Menschen, die in diesem Muster feststecken, unterbewusst empfinden, dass sie, wenn sie büßen, gute Menschen sind. Ich glaube, dass es genau deshalb so schwer ist, sich aus diesem Gefüge, wirklich emotional zu befreien. Denn genauso wurde es uns ja über die Jahrhunderte eingetrichtert. Wenn wir nur lange genug büßen, werden wir irgendwann erlöst und dann sind wir gute Menschen. 

 

Genauso haben es ja auch viele Kinder von Ihren Eltern erfahren. Wenn sie etwas falsch gemacht haben, dann wurden sie dafür bestraft. Sie haben vielleicht Hausarrest bekommen oder mussten etwas anderes tun, um ihre Schuld sozusagen abzuarbeiten. Wenn sie das brav getan haben, dann haben sie ihre Eltern irgendwann wieder lieb gehabt. Dann wurden sie von ihrer Schuld befreit und erlöst.

 

Ich glaube, genau dieses emotionale Gefüge ist in vielen Menschen so tief verankert, dass sie es als etwas Gutes empfinden, in dieser Büßerrolle zu bleiben. Und dass sie es als etwas Schlechtes empfinden, nicht zu büßen, sondern in Freude zu leben. Dass sie sich sogar erneut schuldig machen, wenn sie in Freude leben, weil sie sich dann nicht an die Strafe halten. Das Ganze geschieht natürlich unterbewusst. Ich bin der Meinung, dass sich viele Menschen überhaupt nicht erlauben, ein freudvolles und glücklich Leben in Frieden, Liebe und Erfüllung zu erfahren, weil dass in ihrem Unterbewusstsein als etwas Schlechtes eingespeichert ist.

Der Borderliner ist ein Büßer

Meiner Meinung nach, ist genau dieses Muster des Büßers und diese Angst davor schlecht zu sein, wenn man glücklich ist, Thema der Borderline-Störung. Ein Indiz dafür, dass man in diesem Muster steckt, kann zum Beispiel  sein, dass man die Schuld von anderen ganz gerne übernimmt. Dein Arbeitskollege hat zum Beispiel einen Fehler gemacht und für Dich ist es ganz klar, dass Du ihm diese Schuld abnimmst und behauptest, Du hast den Fehler gemacht. Und diese Abnahme der Schuld des anderen lässt Dich auf irgendeiner Ebene gut fühlen. Das Ganze hat etwas märtyrerhaftes. Der Borderliner übernimmt gerne die Schuld. Sei es für andere, oder auch in einem Konflikt, indem eigentlich ganz klar ist, dass der andere, wenn man rein nach den Fakten geht, Schuld hat. Der Borderliner ist schuldig, egal was die Fakten sind, weil er büßen muss und weil er unterbewusst glaubt, damit etwas Gutes zu tun. Weil er unterbewusst glaubt, in der Strafe irgendwann Erlösung zu erfahren. Das ist meiner Meinung nach auch ein Grund, weshalb Borderliner oft Streit provozieren. Auch das tun sie unterbewusst, um dann letzten Endes wieder in diese Rolle des Büßers schlüpfen zu können. Dieses Bild passt auch sehr gut zu dem selbst verletzenden Verhalten. Denn damit bestraft man sich ja im Endeffekt selbst. Also man ist auch hier wieder in der Rolle des Büßers, der tief in seinem Inneren um Erlösung hofft, wenn er denn nur lange genug leidet.

Eine Möglichkeit der Heilung

Diese Rolle muss nicht unbedingt immer etwas Schlechtes sein. Schlecht ist diese Rolle nur, wenn ich in der Rolle des Büßers verharre, der für die Schuld leidet. Wenn ich aber nun das Ganze umdrehe und aufgrund dieses Muster, dass ich in mir trage, damit anfange, Gutes in dieser Welt zu tun - denn das kann ja auch eine. Art der Befreiung von der Schuld sein und zwar in einem positiven Sinn. - dann bin ich, denke ich, auf einem ganz guten Weg. Vielleicht ist dieses ganze Muster ja auch nur deshalb in uns entstanden, damit wir irgendwann in unserem Leben in die Gänge kommen, etwas Gutes für diese Welt zu tun? Aufzuhören zu büßen und zu leiden und anzufangen stattdessen Liebe und Licht auf diese Erde zu bringen.

 

Nun wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag, Abend oder eine gute Nacht, je nachdem in welcher Zeit Du auch immer Dich gerade befindest.

Die Liebe in mir, grüßt die Liebe in Dir!

Deine Andrea

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